stimulanzzirkel

5. August, Lapalud

Mensch, sind die Tage vergangen. Für Alex sind wir zwar immernoch zu langsam, aber es macht sich schon, wie ich finde. Lyon ist schon in Reichweite und die Rhône auch schon unsere Begleiterin. Es folgt also die große Lücke auf der Route, wo nicht eine bekannte oder sogar berühmte Stadt auf die andere folgt. Es folgt, irgendwie, das normale, durchschnittliche Frankreich. In Spanien haben wir das Normale kaum gesehen. Mensch, die Costa Brava und dann Girona und Figueres, alles bombastisch. Geniale Architektur, alte, verwinkelte Gassen. Herrlich. Und dazwischen die Nationalstraßen.

Frühstück in Pont Major

Augen auf! Die Sonne scheint! Und hoppla, durch den Park fahren schon Augos und laufen die Gassigeher. Nicht ganz so inkognito, wie mir schien. Also auf und weg, auch wenn das, wie immer, seine Zeit brauchte.

Bevor wir in den Uferpark gekommen waren, passierten wir einen kleinen Platz mit einer Fontäne. Außerdem lag er in der Richtung der Route, sodass auch Alex in diese Richtung fahren konnte.

Dieser Platz befand sich also zwischen einer Behörde und der sehr modernen Stadtbibliothek. Die Wilden also mittendrin in einer Kindergartengruppe mit sehr interessant aussehenden Erzieherinnen. Wenigstens mal Nahrung fürs Auge und wieder etwas Leben auf der Straße.

Saubere Toiletten, fließendes klares Wasser, nett aussehende Menschen, kurz: Ich fing an diesen Ort zu mögen, sogar mein kurzes Intermezzo mit einem schlaffen Fußball. Schön auch die Erinnerung an diesen Jungen mit dem gelben Fahrrad-T-Shirt.

Aber wir mussten ja weiter.

Mal eben ‚rüber nach Figueres…

„Dann, nach dem Frühstück, mal eben rüber nach Figueres. Die paar km.“ So hatten wir uns das am Tag zuvor vorgestellt. Die Berge hatten wir ja nun hoffentlich mal hinter uns. Natürlich kam alles anders, als gedacht, wie wir es ja schon gewohnt waren. Denn ganz ohne Berge ging es auch diesmal nicht. Und dazu die Affenhitze, vor der wir gewarnt worden waren. Das ist halt der Preis, den man zahlt, wenn man lange schläft. So ist das eben.

Es folgte ein Kampf gegen Berge und Täler und manchmal auch schon gegen den Wind? Erste Zeichen? Zum Glück war Figueres, oder erst seine metropolitane Umgebung, relativ schnell erreicht und wir konnten sehr bald eine kleine Mittagspause einlegen, gegenüber eines Supermarktes und nahe des Stadtzentrums.

Dort dann durch und weiter entlang unserer Route zum in der Karte eingezeichneten Campingplatz. Auch wenn Alex meinte, wir müssten noch weiterfahren. Na und, mir doch egal, hier ist einer, der ist nah an der Stadt und wir können hier schlafen! Später fanden wir dann noch heraus, dass kein weiterer Platz mehr folgte.

Campen bei Figueres in Spanien, obwohl…

Also hinein in die Rezeption und den Platz gebucht. Nummer 35. Wir staunten dann auch nicht schlecht, als der Wirt nach Betrachten meines Ausweises anfing, Deutsch mit uns zu sprechen. Und dann unten im Camp ein Dauercamper und dieser mit deutscher Flagge. Wir waren irgendwie im falschen Film. Aber das machte ja nichts, wir hatten ja Platz 35 zugewiesen bekommen und dieser war für heute Nacht unser.

Also die Plane raus, das Zelt drunter und dann, endlich, duschen! Welch eine Wonne. Nach diesen ersten Tagen in der Wüste wie im göttlichen Paradis. Kaltes Wasser in dieser Umgebung nur bestehend aus Hitze.

Wir rannten also eine Wele nur in Handtüchern rum und liefen uns kühlen. Was anderes blieb uns gar nicht übrig. Die Zeit ließen wir einfach so passieren, hörten Musik, schrieben oder lasen und schwuups, schon war es halb sechs und wir wollten ja zum Dalí Museum.

Meine in die Sonne gelegten Sachen zum Trocknen würde schon keiner nehmen. Also los!

Wie merkwürdig sich die Räder doch lenken lassen, wenn sie nicht beladen sind. Aber wenigstens sind sie schnell.

Hinein also in die Stadt, hinein ins Gewirr aus Restaurants, Boutiquen, Touristenbussen und klimperndem Geld an jeder Ecke. Hinein nach Figueres.

Figueres, die Stadt des R4

Lang lebe die traditionelle französische Autobauerkunst! Das Universalauto schlechthin hatte hier ein Leben: Der legendäre Renault R4.

Ein haufen Metall mit einem Motor zusammen in eine Kastenform gebracht und fertig ist die Karre.

Und dieses Konstrukt befand sich hier in Figueres immernoch in Benutzung. Reparaturen im Kaufpreis nicht inbegriffen. So lebt es sich halt auch regelrecht mit einem Auto.

(Aber auch mit einem Fahrrad, um das mal nicht außen vor zu lassen.)

Wir also in der Stadt. Immer schön den Schildern folgend zum Dalí Museum. Auch wenn die Schilder nicht an jeder benötigten Ecke hingen. Aber das ist halt Spanien. Und wir kannten die Stadt ja auch noch nicht.

Da uns die sieben Euro Eintritt aber entschieden zu viel waren, beschlossen wir wenigstens zum Abschluss für Alex noch einmal Paella zu essen. Zum Abschluss von Spanien, wohlgemerkt, denn Frankreich war nur noch einige km entfernt und man konnte schon die Pyrenäen sehen. Es wurde also langsam ernst.

Wir tingeln also eisessend durch die Stadt, um irgendwo günstige Paella zu finden. Dabei lernen wir ja auch die Stadt kennen, denn ohne Preise zu vergleichen, läuft mir uns gar nichts. Also die Touristeninnenstadt und auch deren Rand rauf und runter, um uns von dem ausgewählten Bar-Restaurant sagen lassen zu müssen, dass die Küche schon geschlossen hat. Also nur Bar. Da hatte ich aber schon bessere im Ort gesehen und Hunger hatte ich immernoch.

Also woanders hin und erstmal ordentlich gemampft. Eine warme Mahlzeit! Und da ich nur die Früchte und Eiswürfel aus der Sangria heraussammelte, da der Alkohol mir zu stark war, bekam Alex den Rest, das Getränk. Ihm ging es also letztlich wunderbar, während ich in mich hineinlächelte. Schön fand ich auch, dass extra für mich, wie in Lloret de Mar, die Toilette geputzt wurde.

Das ließ mir genügend Zeit, die Bilder des Restaurantbesitzers an der Wand zu betrachten. Ein ganzer Haufen von berühmten Fahrradfahrern wie Lance Armstrong oder Jan Ullrich, aber auch einige Künstler, darunter natürlich auch Dalí.

Also später wieder runter zu Alex und plötzlich steht so eine katalanische Karaffe mit einem orangen Likeur auf dem Tisch. „Auf’s Haus!“, meinte der Kellner. Also ‚rin damit. Und er guckte schon so schelmisch, wie er da so wartend stand.

Also ‚rin damit! Und es schüttelte mich. Aus der Karaffe zu trinken habe ich mich dann doch nicht getraut. Das war etwas stärker und etwas mehr, als ich erwartet hatte. Dass, dann wohl dafür, 6 Euro nochwas auf der Rechnung standen, war nur ein kleines Missgeschick, wofür sich sogar der Besitzer entschuldigte.

Figueres, das Internet und der ganze Rest

(Eine Ode an Douglas Adams an dieser Stelle, dessen Anhalter Alex auf dieser Reise bisher treu begleitet.)

Wie sah also der Plan für den Abend aus? Kurz was einkaufen, ab in’n Park für’n Momentchen, dann vielleicht in eine Bar und schließlich in eins der Internetcafés.

ein elektronisches experiment. spätfolgen für's nervensystem nicht ausgeschlossen!