stimulanzzirkel

31. Juli, Narbonne

Narbonne, den 31. Juli 2005

Frankreich mag vielleicht nicht sehr hügelig sein, bis jetzt, aber der Wind vom Mittelmeer und aus den bergen ist schon nicht mehr schön. Die Idee mit Leucate werde ich meinen Eltern auch erstmal nicht verzeihen…

Zurück zum Abschied am Montag.

Wir wollten dann auch eigentlich starten. Ja, ich bin mir sicher, aber ich war so satt und plötzlich ergab sich noch die Möglichkeit, Mabel zu besuchen und dabei noch etwas Hasch zu ergattern. Wenn Mireia will, dann kann sie auch, wie sie selbst sagte.
Für Alex ja sowieso nur vertane Zeit und wir könnten schon längst auf dem Weg sein. Dann aber die Überraschung einer engelhaften Erscheinung für Alex wiederum und der eigentliche letzte Abend sollte beginnen.

Das Haus der occupa

Die vorher in einer langwierigen Prozedur bestehend aus Warten und Hungern umgetauschte Shishabowle wurde an der benötigten Fontäne mit Wasser gefüllt. Davon haben sie also nicht allzu viel. Mit den beiden Weibern vor uns und Mabels Hund auf den Straßen umherhuschend, berieten wir ausführlich über Mabels Körperlichkeiten und ihr Zusammenspiel mit Mireias. Sie waren zumindest gleich groß.

Jäh unterbrochen wurden wir dann, als Mabel das Vorhängeschloss (sic!) zum Garten ihres Hauses öffnete: Ein Garten mit Sitzgelegenheiten, eine wunderbare Terrasse mit Säulen auf denen wiederum eine ruhte.
Innen dann endlos viele Räume, lauter Krempel, überall die Wasserkanister, man erinnere sich an die Fontäne, Elektrizität und damit Licht, Musik und einen DVD Player samt Videobeamer.
Zwei Monate können sie wohl noch bleiben. Bis jemand, ob der Besitzer oder die Polizei ist irrelevant, ihnen ein Gesetz zeigt, das klar besagt, dass sie gehen müssen. Dann halt ins nächste Haus.

Drei Shishas u.a. auch getunede, zahllose Joints, einem leckeren mahl aus Reis mit Ei und zwei Filme später war es dann bald halb sechs und wir konnten mit der Bahn zurückfahren. Alex hatte sowieso keine Chance, als er früher gehen wollte.

Das war dann aber wirklich der letzte Morgen.

Der letzte Morgen

Gegen sechs kamen wir drei an, etwa gegen sieben würde Antonia aufstehen. Für uns hieß das: Das nötig gewordene Frühstück leise einnehmen. Frisches Gazpacho vom Vortag, von Antonia vorbereitete Sandwiches und sonst noch was das Herz begehrt.

Und dann doch schließlich das finale Packen. So wirklich real war das alles nicht. Dinge, Gegenstände, Krempel, was auch immer ich mitnehmen wollte, ich konnte es haben. Dieses Buch hier gab es aber als Sonderbeigabe. Zwanzig Seiten wunderbaren Papiers für meine Reise. Ob die genügen werden? Musik wurde kopiert, ausgetauscht. Püschels T-Shirt wechselte den Besitzer. Es war mir sowieso zu kurz.

Und dann, nach dem Duschen, war es soweit. Wir bepackten unsere Räder, Minute um Minute zog es sich hin. Für den Abschied solch eine unästhetische Aktion. Küsse, Umarmungen, Stichelein, alles kam zurück. Eigentlich ist alles doch wirklich nur nichts gewesen. Was jetzt geschah, war wirklich real.

Sie ging zurück in ihre Wohnung und wir begannen, unsere Räder bergauf zu schieben.

Der erste Tag

Nach erreichen der Bergspitze schlug es neun. Ein letztes Mal diese feierlichen Glocken für uns. Aber losfahren konnten wir noch lange nicht. Mein Lenker machte Probleme und wir blockierten die Ausfahrt des Parkhauses. Dann aber schließlich ein zweites Mal die Glocken und die Ampel war grün. Es ging los. Einfach den Berg runter und dann bis zum Fluss rollen lassen.

Alex wusste nichts von dem Fluss, meinte er, und rollte erstmal geradeaus. Als wir uns dann wiederfanden, ging es erstmal zur Tankstelle, die Reifen hart machen. Drei bar sind schon angenehmer als nichtmal einer, vor allem bei dem Gepäck.

Glück für Alex, dass dort ein alter Fahrradcrack stand, der ihm einen Adapter lieh. Dann also endlich zum Fluss. Wir konnten ihn leider nicht befahren, da er geschlossen war. Erst ab 10 Uhr. Eigentlich ja kein Problem, die Barrieren, der Fluss war voller Leute und Fahrradfahrer. Aber mit unserem Gepäck? Keine Chance.

Also fuhren wir auf der Straße weiter, immer runter zum Meer. Alex verlor noch fast seine Taschen, aber dann konnten wir endlich die Mündung des Besos ins Mittelmeer betrachten. Meine ersten Bilder.

Aber weiter an der Küste, soweit wir kommen, bis zur ersten Siesta, die etwas unfreiwillig eingeleitet wurde. Noch vor Badalona mussten wir durch ein Industriegebiet. Na Badalona dann aber endlich die Strandpromenade. Herrlich. Das Meer uns zur rechten begleitend und wir immer nur nach Norden, die Sonne im Rücken.

Das konnte natürlich nicht so weiter gehen. Natürlich! Die Promenade hörte irgendwann auf und nur noch Sand. Also wir rauf auf die Straße und im nächsten Park eine erste kleine Wasserauffüllpause.
Verdammt! Das sind schließlich unsere ersten Erfahrungen auf dem Trip. Was da noch alles kommen würde…

Weiter, weiter, immer weiter. Autos links, rechts, ab und zu die RENFE. Diese Geschwindigkeiten! Und dann drohte vor Mataro die Straße auch noch zur Autobahn zu werden. Die Hitze, die Anstrengung bergauf – die nächste Tankstelle war mein Stopp.

Die erste Siesta

(Hier wird im Tagebuch die Handschrift dünner und noch kleiner, da ich wohl in Narbonne meinen Stift von der Insel verloren hatte. Ich stand mittlerweile vor Béziers und wartete auf Alex. Dazu aber später an geeigneter Stelle mehr.)

Ich brauchte eigentlich erstmal nur eine kleine Pause. Ich wollte doch nur wissen, wie es weitergehen kann. Wir hatten ja keine Karte.
Also hinein und nach einer gefragt. mataro. Die Nationalstraße ging also doch weiter. In der Panik der Hitze hatte ich wohl einiges verdreht. Das passiert schonmal, denke ich.

Aber weiter musste es ja trotzdem gehen. Irgendwie. Aber ich konnte doch nicht mehr. Jeder km ein km mehr weg von Mireia, das war nicht gesund für mich. Da ich (wegenhall) diesen fing, begab Alex sich auf Wanderschaft. Ich musste allein sein, da hatte er recht. Also grübelte ich einige Minuten so vor mich hin. Alles Mumpitz!, dachte ich. ich wollte zurück, das war klar. Ebenso klar war aber auch, dass das nicht ging.

Die Rettung kam mit Alex’ Rückkehr. Er hatte einen ALDI gefunden un je ein Bier sowie einen Pudding mitgebracht. Des weiteren fand er neben ALDI einen Burger King und in der Nähe einen Park mit Strandzugang.

In eben diesen Park begaben wir uns auch dann. Mit der Plane ein Dach über eine Bank gebastelt, als wir vom Strand zurückkamen. Jedoch bestand dieser Strand mehr aus Steinen, die man herunterklettern musste und einer ungewöhnlich hohen Anzahl von Männern, wovon sich einige auch nicht scheuten, zu masturbieren. Schon eine Erfahrung.
Ich ging dann sogar einen Moment alleine schwimmen, nachdem wir den ersten Grasjoint mit Adam geraucht hatten. Nun also zwei Dinge: Wer ist Adam und wo kommt das Marihuana her? Maria lässt sich kurz, Adam etwas länger erklären.

Also erst einmal zu Adam.

Während Alex nach Ankunft im Park also gleich schwimmen ging, setze ich mich an das Tütchen. Das erste auf dem Trip und deshalb mit etwas Gras, das wir ja hatten.

Während ich da so sitzte, läuft also dieser Jugendliche da mit Teilen seiner Familie herum. Die hatten gerade ihr Auto an der angrenzenden Straße geparkt. Er sieht mich also da sitzen, wie ich rolle, er blickt mich an, ich blicke ihn an und rufe ihn schließlich rüber. Ob er denn mitrauchen wolle. Alles klar, kein Problem, aber warum musste ich Französisch mit ihm sprechen?
Aus Marseille kam er, sie waren gerade auf der Rückreise und machten einen kleinen Mittagsstopp.

ein elektronisches experiment. spätfolgen für's nervensystem nicht ausgeschlossen!