stimulanzzirkel

30. Juli, Perpignan

Sonnabend, der fünfte Tag.

Wir wollten dann doch nach Figueras aufbrechen, deswegen die Unterbrechung. Aber die kommt mir doch ganz gelegen.
Habe ich jetzt doch dieses gesamte kleine Büchlein mit Leben gefüllt. Ich verabschiede mich also nach 3½ Jahren von diesem Werk und bedanke mich dabei auch noch einmal bei meiner lieben Schwester.
160 Seiten haben sich gefüllt, die merkwürdigsten Zustände wurden hier drin vereinigt. Einzelne Episoden, einzelne Geschichten, die meist mit Frauen zu tun haben. Als ob es nichts anderes gäbe. Wie ich sehe, habe ich es in letzter Zeit öfter genutzt. Vielleicht wird es ja regelmäßig in dem neuen Buch. Wieder ein Geschenk, diesmal von Mireia. Sie wird also über allem stehen. Ein guter Stern. Jon

(An dieser Stelle endet das alte und beginnt das neue Tagebuch.)

Perpignan, den 30. Juli 2005

Der größte Park hier in der Stadt, wir sind also angekommen. Und es geht noch viel weiter…

Aber wo komme ich denn eigentlich her? Barcelona.

Davor Berlin und mein normales schulisches Leben etwas im Abseits. Versucht, die eigene ruhige Kugel zu schieben, aber damit ist nun Schluss, zumindest auf die Art.

Jetzt werde ich mich also ins Leben stürzen. Leben an sich.

Ich löse mich und finde mich dabei selbst.

Ein schönes Bild. (endlich)

Was hat mich nun also hierher geführt? Metropolis, der Wunsch, dieses Europa, diese Menschen kennenzu-

lernen. (Was z.B. gerade in diesem Bindestrich geschah.)
Ich muss endlich raus – aus mir selber. In ein neues, anderes Ich. Zufriedenheit als letztes Ziel.
Viele Wochen, Monate und Jahre sind vor mir ausgebreitet, bereit, betreten zu werden.
Ich zeichne mir ein Leben in Dresden, ich schaffe mir ein eigenes Leben.
Barcelona ruft. (…und wenn die Sehnsucht nie verpufft.)

Dieser Planet ist – auch – mein. Mit Shanghai hat alles angefangen, seitdem brennt meine Seele. Sie brennt sogar so sehr, dass ich mich selbst überwinde. Ich verlasse mich, um mich zu finden.

Wenigstens fühlt es sich gut an.

Was ich auf dieser Reise bisher erlebt habe, übertrifft alles vorherige. Und so ist es schon seit einer ziemlichen Weile: Alles, was kommt übertrifft das vorherige. Und ich genieße es.

Wegwerfen alter Lasten und gewinnen neuer Laster, hehe.

So interpretiere ich z.B. auch Sonnabendabend. Zurück zur Geschichte also.

Nach einem sehr verspäteten Aufwachen ging Mireia dann gleich zum Saharawisupper. Alex und ich waren also weiter alleine, wie schon den Tag lang mit Shiva. Aber später trafen wir uns dann doch endlich mal mit Charlie, um das “Black Sheep” zu besuchen. Duro über den Abend mit endloser Sangria. Mireias Ankunft, das Verlassen und der erste Joint sind noch fast da, aber danach beginnt das gereiere. Immer raus damit, stundenlang. Danke Alex, Charlie und Mireia, diese Stütze brauchte ich.

Somit war also mein Sonntag versaut. Mireia unterwegs mit den Saharawis und ich koma aus, während Alex mit den Fanta 4 die letzte orale Befreiung provozierte. Raus damit, sag ich nur. Da wir aber Montag abfahren wollten, begann ich dann doch mal mit dem Packen. Natürlich würde ich es nicht schaffen.

Abendbrot noch einmal von Antonia und auch Charlie wieder am Start. Die Bilder waren schon längst am hochladen und das sollte dauern. Im Bombay verabschiedeten wir uns letztendlich von Charlie und Blue Monk war – natürlich – wieder geschlossen.
Also den Computer auffrischen und die letzte Nacht zelebrieren. Den letzten Morgen erwarten.

Alex weckte uns dann, nachdem die Putze ihn von der Couch gescheucht hatte. Alex raus mit dem Hund und Zutaten für unser Abschiedsessen um drei kaufen, später bei fnac auch ein Abschiedsgeschenk für Mireia.
Er kam also zurück und wir begannen die Kartoffelpuffer. Sogar Carma war anwesend. Verschiedene Abschiedsessen für verschiedene spezielle Menschen.

ein elektronisches experiment. spätfolgen für's nervensystem nicht ausgeschlossen!