stimulanzzirkel

20. August, Paris

Eine Reise von nunmehr drei Wochen und mehr sehnt sich nach ihrem Ende, und das, obwohl noch mehr als zwei Wochen übrig sind. Wir sind ganz schön weit gekommen, was? 1.300 km bis hierhin und Amsterdam liegt noch in weiter Ferne.

Aber jetzt genießen wir erst einmal diesen magischen Augenblick, diese unfassbare Situation, dass wir einfach aufgegabelt wurden und uns in dieser Riesenstadt das Hostelling sparen. Jérémie heißt unser Gastgeber, kam einfach zu uns in eine Shishabar und lud uns ein, bei ihm zu schlafen. Das soetwas auf diesem Planeten noch möglich ist? Es gibt wohl doch noch einige Menschen.

Mir ist es gänzlich unbegreiflich, wie es dazu kam, aber nun ist es da und wird gelebt. Was interessiert uns der Metropolit, wenn wir zwar nicht im 5. Arrondissement schlafen können, denn wir sind im 20., aber dafür eine Tour in die jahrhundertealten Katakomben unter der Stadt bekommen:

Knietief und mehr durchs Grundwasser waten, durch Löcher und versteckte Zugänge krabbeln und dabei immer die Sicherheit einer geheimen, aber vollständigen Karte zu haben.

Was ist das nur für ein Mensch, bei dem wir hier gelandet sind? Weltreisender, Südamerika, mit dem Fahrrad nach Russland, seine Freundin ist Fotografin, ach was, Künstlerin und ist grad für eine Weile in Burkina Faso, er arbeitet gerne im sozialen Bereich, mit Drogenabhängigen, Behinderten und Kindern, Punkmusiker, belesen von oben bis unten, schreibt Kurzgeschichten und wacht nach krassen Alkoholgeschichten schonmal nackt auf.

Irgendwie ergibt das alles noch keinen wirklcihen Sinn für mich, aber vielleicht ist er mit seiner inneren Vielseitigkeit einfach zu viel Mensch, als dass ich schnell aus dem Staunen herauskommen könnte.

Und nun, nach einem sehr füllenden Mahl, beginnt, untermalt durch feinsten Dub von Zenzile, wieder einmal die Zeit der Fragen, die Zeit des abschweifens in ferne Gegenden.

Dieser Geisteszustand ähnelt mir doch sehr verblüffend jenem nach Mariuhanakonsum.

Die Müdigkeit, das fahle Licht durch die Wolken, der ferne und nun nahende Duft der Räucherstäbchen, all das tut sein Übriges.

ein elektronisches experiment. spätfolgen für's nervensystem nicht ausgeschlossen!