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This article was written on 17 Dec 2012, and is filled under out of time.

Endzeitstimmung

Liebe Gemeinde
es ist nicht der Weltuntergang, der uns ereilen wird,
es ist der Aufbruch in eine neue Zeit, ein neues Wesen,
neues Leben mit neuen Wegen. Und Weisen, wie wir unsere Bedürfnisse speisen.
Wohin die Reise auch gehen möge, viererlei sei als essentiell zu betrachten:
1.) Wir werden in jedem Augenblick aufs Höchste versucht sein, diejenigen Veränderungen zu erwirken, die wir in der Welt sehen wollen.
2.) Da alle Veränderung sich stets in kleinen Schritten vollzieht, gleich einem Uhrzeiger, der zwar immer nur von einer Sekunde zur nächsten hüpft, aber sich die Sekunden der letzten zehn, zwanzig Jahre doch erstaunlich schnell angehäuft haben, sind es die kleinen Schritte, die den Zeitberg in entsprechende Richtungen wachsen lässt.
3.) Gerade weil wir in allen Aktionen Vereinzelt(e) bleiben, müssen wir von uns selbst zurücktreten. Das Ego hat ausgedient. Das Wohl des Planeten und allen Lebens sowie Nicht-Lebens auf ihm ist als die sich aktualisierende Grundbedingung unseres begrenzten Daseins der am höchsten zu achtende und einzig als erhaltenswert anzusehende Zustand.
4.) Die Form wird die Oberhand über das Medium gewinnen. Es darf nicht mehr darum gehen zu arbeiten, um Geld zu verdienen, sondern die Frage was da getan wird – und in welcher Form – muss absoluten Vorrang genießen. Geld basiert auf Vertrauen, dieses Vertrauen ist verhandelbar und reversibel. Lasst uns dem Ganzen (Mist) misstrauen.
Was bedeutet dies konkret?
Einiges, nein, alles ist radikal anders anzugehen, aber wiederum nicht zu radikal, um verwirrend oder anstößig zu werden. Es sind die kleinen Praxen im Alltag, die über Gedeih und Verderben der großen Institutionen entscheiden.
Mit fremden Menschen reden. Schwarzfahren. Im Supermarkt das Zahlen verweigern. Dem Konsumwahn entsagen. Selber machen. Sich organisieren. Es geht bei allem nur um eine kritische Masse. Wenn ein Mensch den Schritt wagt, zum Beispiel dem Geld entsagt, wirkt es vielleicht lächerlich und grotesk, wenn es alle tun, werden wir uns bald fragen, warum wir da nicht schon früher drauf gekommen sind.
Für alles Entfremdete und Entfernte werden sich andere Formen finden. Das Benutzen eines Autos zum Beispiel hängt massiv und bis ins kleinste Detail mit globalen Verhältnissen der Ausbeutung, der Bereicherung einer zahlenmäßig kleinen Elite bei gleichzeitigem Raubbau an endlichen Ressourcen zusammen und ist somit abzulehnen. Es kann nun aber nicht primär darum gehen, Formen zu finden, die das Auto ersetzen, sondern darum andersartige Mobilität zu leben. Vielleicht dann einfach lokaler und langsamer zu werden. Die neue Zeit wird eine Zeit der Entschleunigung.
Es gehört wohl zu den größten Illusionen, dass Karriere einen persönlich voran bringt.
Wir warten doch alle auf den Manager, der sich vor die Kamera stellt und sagt: jeden Tag sechzehn Stunden zu arbeiten hat mein Leben zu einem Erfüllten gemacht. Nein, jeder Penner am Strand von Venice Beach, der frei über seine Zeit walten kann,
wird von sich selbst behaupten zwar einfach, aber im Grunde glücklich zu sein.
Zeitwohlstand wiegt weit mehr als Geldwohlstand.
Aber vor allem: Von seinem Egotrip runterkommen.
Deswegen schreibe ich euch und deswegen werde ich nie mit den Aufgaben fertig, die eigentlich zu erledigen wären. Ihr kennt das. Eigentlich? Warum eigentlich? Was aus der Perspektive der Erhaltung der bestehenden Wirtschaftskreisläufe als Ablenkung vom Wesentlichen betitelt wird, entpuppt sich nicht als wie angenommen faules Herumgesesse oder hedonistisches Zerstreuen, sondern öfter als gedacht als Dienst an der Gemeinschaft, als Hilfe wobei auch immer oder gar als sozialer Austausch.
Deswegen stehe ich an der Stelle bewusst auf, weil wir uns Bewusstsein zutrauen können.
Deswegen habe ich mein Equipment nicht wie geplant auf diese Reise mitgenommen, um meiner Teilidentität als DJ auch auf professioneller Ebene weitere Erfahrungsräume in drei weiteren Städten hinzufügen zu können, wenn ich gleichzeitig einem Freund helfen kann, dem die Geräte in der nächsten Woche bestimmt mehr helfen. Als nobel möchte ich diesen Schritt nicht verstanden wissen, nur als menschlich. Und selbstverständlich.

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