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This article was written on 30 Jan 2011, and is filled under out of time.

Von der Schwierigkeit zu schreiben

Um einmal von der Schwierigkeit zu schreiben zu schreiben,
um auch diese Last aus den Fingern laufen zu lassen.

Wenn Bücher sich im besten Falle um Bücher drehen
und Schriftstücke über den Akt des Schreibens selbst,
landen wir mitunter in den noch angenehmsten selbstreferentiellen Schleifen.

Oder um einfach nur von der Schwierigkeit zu schreiben:
Eine Idee entsteht, sie manifestiert sich in den Gedanken,
formt sich aus und beansprucht eine Bedeutung,
eine, die es vorher noch nicht gegeben hat.

Ernüchternd wirkt die Erkenntnis, dass für uns selbst Neues
nicht unbedingt auch immer gleich eine gedankliche Erfindung sein muss.
Langweilig, weil bekannt, ist, dass unsere Sprache ein semantisches Netzwerk abbildet,
welches sich durch Querverbindungen zwischen einzelnen Elementen mit Bedeutung auflädt.
Schade nur wenn diese Bedeutung nach wiederholter Betrachtung an Kontur nur zu verlieren scheint.

Sitzt du vor dem leeren Papier und lauscht deinen Gedanken,
wirst du dich letztlich dazu entschließen zu schreiben. Deine Finger benutzen,
um neue Kombinationen des Möglichen zu Räumen aufzuspannen,
in welchen du dich gerne bewegen möchtest. Und selbst wenn nicht,
es sollte dir ein Bedürfnis sein zu schreiben, keine Qual.
Wer möchte denn schon einem Schwan beim Sterben zusehen?

Und so überwindest du den Schwermut, der auf deinen Händen lastete.
Der zu formulierende Gedanke mimt Permanenz, um nicht schon bei der nächsten Betrachtung wieder zu verschwinden.
Seine Stärke ist die Wandelbarkeit, die Anpassungsfähigkeit daran, was ich von ihm erwarte.
Nur wenn ich mir seiner gewiss sein kann, werde ich mir ermöglichen,
ihn mit meiner Umwelt zu teilen.
Wie verschwenderisch!
Aber es gibt nichts anderes zu tun.

Als wäre das eigene Bewusstsein ein Käfig, eine Arena der Hyperbeln,
welche sich gegenseitig die Augen auskratzten, könnten sie nicht ab und zu entfliehen,
um neuen Platz zu machen. Aber was als schwierig erscheint,
wird lediglich transformiert im kreativen Akt. Die Schwierigkeit wird hinfortgedach,
eben indem die Performanz des Schreibens ihr die schwelende Basis raubt und durch gesetzte Zeilen
ein Fundament errichtet. Ein Fundament der Worte, wohlgemerk, welches als alleinigen Zweck verfolgt
abzulenken von der Undeutlichkeit der menschlichen Kommunikation.
Besser noch ich glaube an Kommunikation, als dass ich dies nicht täte.

Der Subtext. Unendliche Weiten.
Wir schreiben das Jahr 2011.
Dies sind die Abenteuer des Neuen Menschen,
der mit seinen unzählbaren semiotischen und semantischen Werkzeugen
zeitlos und fragmentiert die Dekonstruktion fortsetzt, die bei seiner Entstehung begonnen wurde.
Inmitten von Satzzeichen und Pausen, von Formen und Geräuschen
finden wir eine Welt, die jeder Beschreibung spottet.
Nur wenn sie sich an den Rand des Vorstellbaren hinauswagt,
kann sie eine Ahnung davon bekommen, wohin die Reise geht.

Jeder Verweis der Zeichen auf andere Orte an denen Zeichen gedeihen
erweist sich als Ausblick auf eine verzweigte Kette von Zusammenhängen
in denen ein absehbares Ende das einzige bleibt, was verwaist.
Genausowenig wie ich mir den Anfang der Kommunikation vorstellen kann,
genausowenig gelingt es mir mit deren Ende. Sind aus Vakuumenergie entstandene,
beinahe virtuelle Teilchenpaare, so harrscharf an der Grenze zum Existieren durch Selbstauslöschung vorbeigeschrammt,
nicht auch eine Form des Gesprächs zwischen – ja, wozwischen eigentlich?
Uns erscheinen sie als Nichts und Wirklichkeit, doch bezweifle ich auch dort, dass es möglich ist, so haarscharf zu unterscheiden. Die Wellenfunktion des Nichts, die Verteilung der Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens. Könnten wir darüber sprechen?
Die großen Erzählungen werden stumm vorgetragen.

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