stimulanzzirkel

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This article was written on 15 Aug 2010, and is filled under out of time.

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Irkutsk Tourista

Ein weiterer Moment abseits des Gruppentrubels, ein weiterer Moment beinahe in Echtzeit Eindrücke aus der dadurch schon gar nicht mehr so weiten Ferne zu vermitteln, das Mysteriöse des Reisens kurz zu schließen, dabei ad absurdum zu führen, um neue Lebens-formen zu gestalten.

"Wir vier hier mit Überlebenselixir."

Alles. Immer. Hier. Jetzt.

Vergangenes und Zukünftiges verwoben in der ewig diffusen Aufmerksamkeit eines einzigen Augenblicks. Und doch – und vielleicht auch gerade deshalb neu – nicht widersprüchlich zu den Möglichkeiten einer Simulation des “wirklichen Reisens”, der “wahren Auslandserfahrung”.

Die Welt ist heute nun einmal so (vielfältig und voller Möglichkeiten). Punkt.

Abschirmung, dann doch

Die folgenden Geschichten orientieren sich, wie auch schon bisher, an den von mir bei flickr hochgeladenen Bildern der Kameras meiner Mitreisenden Lena & Max, eingewoben in Ausgedachtes, Erinnertes und vielleicht sogar nur Gewünschtes.

TransSib

Gehen wir nun also gemeinsam zurück und verlassen Mokau mit der Transsiberischen Eisenbahn, bei gefühlten 40ºC, mit ~2‰ Restalkohol im Blut, Schlafmangel und einem Delirium, das sich gewaschen hat.

Delicieux!

Da ich den ersten Tag beinahe durchgängig geschlafen oder zumindest dank Kreislaufkollaps mit kaltem Schweiß dämmernd verbracht habe, kann ich leider keine detaillierte Beschreibung der Kontaktaufnahme mit unseren russichen Soldatenfreunden der Spezialeinheit “Speznas”, die nach einer Zigarette Niks plötzlich in unserem Abteil saßen und mitunter ein besonderes Auge auf unsere Mitreisende Lena geworfen hatten, liefern. Womöglich erfolgt eine detailliertere Rekonstruktion der Ereignisse zu geeigneter Stunde an dieser Stelle.

Abteil

Volltändig genesen und mit einem Bärenhunger erwachend, sahen wir uns nun dem Umstand der Warnung Valentins vor einer TransSib-Reise gegenüber:

“Pass auf Jon, dass du nicht vor Langeweile stribst!”

Wohnwagen

So schlimm ist es ja dann, wie ihr erfreulicherweise lesen könnt, doch nicht gekommen – obwohl einem der russische Wald einiges an Geduld abverlangt. Nischni Nowgorod, Jekaterinburg und Omsk, um nur einige der größeren Pausen des Zuges zu nennen – und weit und breit keine Pelmini bei den Babuschkas auf dem Bahnhof!

mechanischer Samowar

Wir also weiter durch die Einöde, den Rauchschwaden der Torffeuer entkommend und einer Ahnung von frischer Luft entgegen.

Endlose Wälder, am Morgen der Einfahrt in Novosibirsk auch endlich sibirische Taiga vor Augen; verlassene Industriebrachen und Holzhaussiedlungen, deren I-Tüpfelchen stets blau gestrichene Fensterrahmen waren, zierten den Fluss der Zeit.

siberian sun

Akademgorodok!

Dank der Vermittlung meines ehemaligen Mitbewohners Maxim, der jetzt mit Kind und Kegel in Berlin lebt, hatten wir Kontakt zu einem politischen Aktivisten in Novosibirsk. Beide kennen sich noch aus früheren Tagen in der CAT Group (Contemporary Art Terrorism) und sind u.a. Begründer der MONSTRATION, einer dadaistischen 1.-Mai-Demonstrationsimitation, welche mittlerweile wohl u.a. nach St. Petersburg, Moskau, Peking und einigen weiteren Städten ausgestrahlt hat.

Ob in Novosibirsk

Artem holte uns also nach vorausgegangenem E-Mail- und SMS-Verkehr tatächlich am Bahnhof ab und brachte uns sogleich zu Tanja und Misha nach Akademgorodok (sprich: Akademgaradok), welche in einer von deren Eltern geschenkt bekommenen Wohnung einer wiederum anderen Freundin, die wohl gerade für zwei Monate im Tian Shan Gebirge klettern ist, untergebracht waren und selbst eigentlich in Tel Aviv / Israel leben.

Wer sich nun also durch die hinter den Links verborgene Informationsfülle geklickt hat, möge erkennen in welchen absurden Umständen wir in Novosibirsk eingefallen sind. Und da wir uns somit schon in der Gegend, in Sibirien aufhielten, war es für unsere Gastgeber auch kein Problem, Kontakte nach Irkutsk zu vermitteln. Was es mit diesen auf sich hatte, sollt ihr später erfahren.

Jetzt bereiten wir uns langsam auf unsere Abfahrt gen Ulan Ude vor, um pünktlich am 19. die Grenze zur Mongolei zu passieren und in Ulaan Baatar drei Tage vor Beginn des zweiten Teils der Reise, unserer eigentlichen Expedition, anzukommen. Um Abstand zu gewinnen zum unglaublichen Koloss der Russischen Föderation, Eindrücke verarbeitend, Bilder sacken lassend und fortzufahren mit der Ruhe und Gelassenheit eines sich treiben lassens.

Selbstauslöserabendessen

Nun zögert nicht euch durch die Alben zu klicken und auch die anderen Fotos zu entdecken, manchmal beschrieben, manchmal selbst für sich sprechend.

Kommentare hier auf elektroni.de, und nicht bei den übertragenen Facebook-Notizen, sind übrigens auch immer gern gesehen, da sie die Motivation steigern mehr zu schreiben.

In diesem Sinne und mit den besten Grüßen von der zur Nacht hin rapide kälter werdenden sibirischen Luft in Irkutsk,

Jon

2 Comments

  1. alex
    16. August 2010

    Hallodri.

    Tolle Bilder, schöne Worte.
    die perfekte Ergänzung zu meinem in Ohnmacht gefallenen Imam. Lecker.
    So sitze ich hier allein in Baumschulenweg, höre Future Garage und lerne nebenbei noch etwas über die Welt da draußen. Wie befriedigend es doch ist, Subjekt zu sein.
    Postmodernes Subjekt. Wie lange würde eine Postkarte aus Irkutsk oder Ulan Bator wohl nach 12437 brauchen?

    Aber schön, dass du neben den Down-Under-Leuten, den Indianern, den Südamerikaschwärmern, den Süd-Ost-Asien-Verrückten und
    den Latinos noch deine eigene kleine Fernreisenische gefunden hast.
    Für mich bleibt dann wohl nur noch Feuerland.

    Deine Enttäuschung über fehlende Pelmeni am Wegesrand habe ich übrigens körperlich nachempfinden können und die zwei Promille hatte ich dank Pubi und Vica vor Antritt der 21h-Zugfahrt Budapest-Jever auch intus. Kontakt!

    Das Akademikerviertel von Nowosibirsk sieht vielversprechend aus.
    Nur können wir weder Atomphysik, Biotechnologie, Mathematik, Informatik oder Russisch. Aber in Leipzig stehen auch viele viele viele schöne Altbauten leer.

    Ach ja, Überraschung: facebook stinkt.

  2. Niko
    16. August 2010

    Hallo,

    da ich ja nur Dich, Jon, ein wenig kenne, möchte ich DIr hier Deinen Wunsch erfüllen & einne Kommentar abgeben…
    Ich finde Deinen / Euren Reisebericht sehr spannend & nehme mir die Zeit ihn möglichst genau zu lesen, auch wenn das hier in der Alltagswelt nicht immer in den zeitlichen Rahmen passt…. 😉

    Viel Freude & Abenteuerlust weiterhin!
    Viele Gr.! Niko

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