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This article was written on 28 Mai 2010, and is filled under out of time.

Ich bin kein Groupie – ich bin ein Fanboy!

The Prodigy hinterherreisen hat schon etwas. Man erlebt jedenfalls mehr, als öde in „Sozialen Netzwerken“ abzuhängen oder mit Studierenden übers Studium labern zu müssen. Oder in einer Metropole dahinzuvegetieren, wo man entweder alles neu entdeckt bzw. eh alles kennt.

Los gings mit der Fahrt von Friedrichshain via Potsdam-Babelsberg nach Goslar, wo das letzte Auswärtsspiel der Saison stattfand. Das Spiel ist nicht sonderlich erwähnenswert, wir verloren 2:0, was aber keine Sau sonderlich störte oder interessierte. Danach gings mit der Bahn weiter nach Leipzig, wo ich erstmal auspennen konnte, bevor es anstrengend wurde. Tags darauf wars endlich soweit:  Mein erstes The-Prodigy-Konzert im Jahre 2010, yeeeehaaaa! Von Leipzig gings nach Bitterfeld und von da weiter zur Halbinsel Pouch, wo das MDR Sputnik SpringBreak Festival die Festivalsaison einläutete.

Dummerweise hatte ich mein bereits bezahltes Tagesticket in Berlin vergessen, also durfte ich nochmals 45 Euro für die Veranstaltung spenden. Obs die wert waren? Summa summarum nur bedingt, da ich während des Prodigykonzerts beklaut wurde, weil ein Pisser meinte, in der dritten Reihe in die rechte Arschtasche zu greifen, schnell die Scheine zu ziehen und das Portemonnaie (Achtung, nicht Portmonee!)  dann wieder auf den Boden zu werfen. Wenigstens hab ich das schnell genug bemerkt, sodass ich wenigstens noch BahnCard, Ausweis, Krankenkarte usw. wiederfand. Unschön war allerdings, dass ich nun mit exakt zwei 50-Cent-Stücken bis 07:50 morgens ausharren musste, da ich kein weiteres Geld in der Hosentasche hatte und vorausschauend meine EC-Karte im Schließfach am Leipziger Hauptbahnhof bunkerte. So lernt man wenigstens wieder Leitungswasser zu schätzen, während sich alle Vodka-Energy für 5 Euro den kleinen Becher reinhauten.

Konzerttechnisch wars okay für den Preis. The Whip im Vorprogramm gefielen mir. Danach kam das, was man als Kommerztechno bezeichnen würde: Lexy & K-Paul. Ich hab sie mir von Anfang bis Ende angeschaut und muss sagen, ich fands nicht sonderlich schlecht, allerdings wäre meine Schmerzgrenze für den Eintritt irgendwas zwischen drei und fünf Euro. Danach gings wieder bergauf, The Editors spielten als vorletzter Gig. Da es davor regnete wie Sau,  setzte ich mich unweit der Bühne auf eine überdachte Erhöhung und blieb das ganze Konzert sitzen. Ich muss zugeben, dass der Frontmann von denen richtig singen kann und ich wurde getäuscht, dass meine Lieblingssongs wie „Munich“ oder „Blood“ nicht ballerten, sondern in einer sehr hübschen Akustikversion gespielt wurden. Einfach nur chillig!

Dann:  The Prodigy – Endlich!

Ich muss sagen, dass ich mit gemischten Gefühlen von diesem Gig berichte, da genau das eintrat, was ich vorher schon bei youtube sah:  Sie sind einfach keine Festivalband. Das liegt lustigerweise nicht an der Band, sondern eher an dem Environment, in der diese spielt. Die Leute, die sich halb um die ersten Reihen kloppen sind keine wirklichen Fans der Band, aber werden hinterher stolz behaupten, „The Prodigy“ total geil zu finden und dazu „die haben richtig gerockt!“. Man war ja dabei. Allerdings war es für mich eine gute Erfahrung, da ich nun den Unterschied zwischen Festivalauftritt und Hallenauftritt recht präzise nachzeichnen kann, jedenfalls für die „Invaders Must Die Tour“. Auch wenn die Masse in Pouch total ausflippte gabs zwei Zugaben weniger, so wie beim Rock am Ring oder bei anderen Massenfestivals auch. Und  in der eigentlich standartisierten Playlist gabs minimale Abstriche, sodass man das Gebotene in aller Ruhe als „Pflichtgig ohne Emotion“ bezeichnen darf –  was ich auch absolut nachvollziehen kann. Das Schönste an dem Gig war, dass es direkt bei „Breathe“ anfing stark zu regnen und danach die Dubstep-Version von „Thunder“ gab. Das gibts in Hallen nicht, in diesem Sinne: „I hear thunder, but there’s no rain!“

Nach dem Gig musste ich also noch knappe fünfeinhalb Stunden mit Leitungswasser in den beiden Technofloors oder dazwischen ausharren, was gefühlt genauso lange andauerte, wie mehrere Methodensitzungen nacheinander. Egal, irgendwann kam der Bus Richtung Bitterfeld und da es am Bahnsteig noch nette Leute gab, die mich auf ihr Gruppenticket bis Leipzig mitnahmen, kam ich ohne betteln bei der Schaffnerin bzw. 40 Euro „erhöhtem Fahrpreis“ bei meinem Schließfach an. Ein Hoch auf Bargeld. Anschließend hatte ich eine Stunde Zeit, um mir neuen Tabak, Getränke und etwas zu essen zu holen und einzupfeifen, um dann mit dem ICE 1707 nach München zu reisen.

Nach drei Stunden Schlaf wachte ich also kurz vor der bayerischen Landeshauptstadt auf und brachte abermals meine Klamotten in ein weiteres Schließfach.  Schon an diesem konnte ich feststellen, dass es ein Preisgefälle zwischen Ost und West in gewissen Hinsichten gibt:  Gab es in Leipzig ein digitales Schließfachsystem mit Code für 3,50 Euro (groß, 24 Stunden), so kostete dies in München glatte 5,00 Euro. Und dazu ganz Oldschool einen Schlüssel. Was solls, Vorfreude – schönste Freude. Ich schlug also noch ca. zwei Stunden die Zeit tot, bis ich meinen Kumpel Alex aus seinem Zug begrüßen durfte. Mit Alex habe ich bereits Teile der letzten „Invaders-Tour“ gemeinsam durchgezogen und diesmal war alles abgemacht und halbwegs durchgeplant. Danach gings dann auch gemütlich zur Konzerthalle, wo wir Alexej begrüßen konnten, den ich auch bei der letzten Tour schon kennenlernen durfte. Der kam aus Memmingen für das eine Konzert und so trotteten wir zu dritt ins Geschehen. An dieser Stelle einen großen Dank an Reinhold, welcher zwei Eintrittskarten gewonnen hatte und mich für einen Freundschaftspreis mit reinnahm. Ich hoffe, du liest diese Zeilen.

Drinnen das übliche Warm-Up mit einer kleinen Überraschung, denn das DJ-Duo „South Central“ machten den Einheizer vor Prodigy, sehr geil! Davor stand ich recht viel draußen in der Raucherecke und begann, Menschen zu fragen, ob ich deren Prodigyklamotten fotografieren dürfe. In Frage kam nur Merchandise, welches ich nicht besitze und ich darf mit großer Freude feststellen, dass dies eine Menge ist! Einzig die eine Tussi gab sich seltsam und tat so, als wenn ich nur ihre Brüste fotografieren wolle… nunja, wenn ich die hätte haben wollen, dann wäre ich zwei Meter zurückgegangen, hätte den optischen Zoom aktiviert und dann mit den 14 Megapixelbild am Rechner den Rest erledigt. Sie war glücklichweise die Einzige mit soviel dummen Selbstbewusstsein, alle andere waren echt richtig freundlich!

Dann ging auch irgendwann das Konzert los und ich muss gestehen, dass dies wohl der beste Gig neben dem Huxleyskonzert (Berlin, 2. März 2009) war, den ich bisher von der Band gesehen habe. Es ist interessant zu beobachten, dass die fünf Jungs auf der Bühne dann voll abgehen, wenn ein paar hundert vor Ihnen voll mitsingen und alles geben und bei anderen Konzerten, wo 8000 Leute da sind (ebenso Indoor) nicht so feiern, sondern eher gemäßigtes Programm bringen. Jedenfalls hat man gemerkt, dass denen der Gig Spaß brachte und nicht nur reine Show ist. Die gabs nämlich schon Tags davor. Wer keine Ahnung hat von Prodigykonzerten, dem sei gesagt, dass es immer einen Song gibt, der als „Mysteryzugabe“ definiert werden kann. Diesmal wars „Spitfire“. 🙂

Völlig durchnässt verließ ich dann die Halle, als ich mir das neue Tourshirt besorgt hatte. Um abermals Übernachtungskosten zu sparen, hatte ich bereits für 6:14 einen ICE nach Frankfurt/Main gebucht, was also mal wieder durchmachen implizierte. Diesmal aber mit Alex, welcher mir eine nächtliche Sightseeingtour durch München-City bot. Beim Getränkenachschub lernten wir dann noch zwei sympathische Frauen kennen, Анастасиа und Марина, welche uns also bis in die Morgenstunden begleiteten und uns einen hübschen Münchner Boulevard zeigten, welchen wir nicht kannten. Der ging sogar an der selbsternannten und fremdgeförderten Eliteuni „LMU München“ vorbei, allerdings war Ulrich Beck nicht ersichtlich. No risk, no fun. Anschließend nahmen wir beide unsere Züge, Alex nach Hause und ich nach Frankfurt den ICE 1126. Wieder drei Stunden Schlaf und ich hatte echt Glück, dass ich genau aufwachte,  als der Zug am Hauptbahnhof stand und ich raussprintete – Schwein gehabt.

Danach gings zur Arbeitsstelle meines lieben Bruders Stefan, der bei der ING DiBa arbeitet und mir den Zweitschlüssel für seine neue, schicke Wohnung gab. Vielleicht können sich einige LeserInnen nicht so richtig vorstellen, wie happy man ist, wenn man nach 48 Stunden (davon 10 Stunden Schlaf) endlich mal wieder auf eine Infrastruktur trifft, die man  als „eingerichtete Wohnung“ bezeichnet. Eine Wanne, Kühlschrank, Waschmaschine, ein Bett (!) und sonstige Spielereien wie Computer mit einer recht schnellen Digital Subscriber Line, Steckdosen, einem Induktionsherd oder Telefon. Sowas vermisst man wohl erst dann, wenns nicht da ist. Dort konnte ich kochen, seine tolle Freundin Julja kennenlernen und einfach abspannen! Danke sehr. 🙂

Abschließend möchte ich noch kurz Orhan grüßen, den wohl coolsten Busfahrer, den ich je kennengelernt habe. Er fuhr den Linienbus 50, den ich grade noch so erwischte. Gerade so bedeutet, dass er eigentlich am Abfahren war, mich gesehen hatte und trotzdem 2-3 Meter fuhr und mir dabei in die Augen sah. Dann hielt er an und öffnete die Fahrertür mit dem Wink, er wollte nur mal schauen, wie ich so reagieren würde. Dankbar stieg ich in den Bus und unterhielt mich ein wenig mit ihm, da er sehr freundlich war. Das geilste war, dass er mich dann fünf Stationen später bat, mal kurz in die Bäckerei vor der Haltestelle zu rennen, um ihm einen kalten Kakao zu kaufen, Geld gab er mir mit. Gesagt, getan. Den Rest der Strecke quatschten wir übers Berliner Bussystem und Frankfurter Clubs, wo eine 0,7l Vodkaflasche bis zu 450 Euro kostet. Als ich am Katharinenkreisel ankam, gings mit ein paar Bankangestellen (u.a. meinem Bruder) in der Halle Fussball spielen. Dort habe ich gelernt, dass Banker keinswegs übereinstimmend den Spielstand mitzählen und ziemlich freundliche Menschen sind. Alles in allem ein schöner Tag.

Heute gehts dann weiter mit dem dritten von vier Konzerten. Jahrhunderthalle Frankfurt. Bergfest!

I’m gonna send him to out of spcae
C finds another race

5 Comments

  1. nils
    28. Mai 2010

    oha, No Risk No Fun. 😉
    Es hat sich gelohnt hier mal mitzulesen und was mitzunehmen.

  2. Jon
    28. Mai 2010

    Wortgewalt²

    Mensch Pierre, eine scharfe Auffassungsgabe deiner Umgebung kann mensch dir ja echt nicht absprechen. Hut ab vor so vielen Eindrücken & Danke für’s (mit-)teilen.

    Weiterhin gute Reise…

  3. JeZ
    28. Mai 2010

    Yeah, gute Reise. Ich lese immer wieder gerne was von dir Pierriemaus. :*

  4. Pierre
    29. Mai 2010

    Ich finds schön, unterschätzt zu werden!

  5. Alexej
    15. Juni 2010

    Super bericht =)
    Schön, dass solche menschen noch gibts, die von so viele bands einen für sich raus suchen können =))
    Ich mag The prodigy aber nicht 3 konzerte nach einander 😀
    Wie seit ihr auf Анастасиа und Марина gestoßen? 😀 ich war zu früh weg =)))
    Cooles berich, danke dir!
    Peace

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