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This article was written on 12 Aug 2010, and is filled under out of time.

Heat. Smog. Leave.

„Heute Abend gehen wir shoppen!“

…war mein Motto des Tages, dabei bin ich jetzt gar nicht dabei und sitze vor diesem Screen, mir die Augen verblenden lassen. Aber alles in Ruhe der Reihe nach.

Aufgewacht, den Blick nach draußen gewendet und mit einer grauen Wand konfrontiert gewesen. Was wird aus einem Tag, der so beginnt?

gegenüber

Plötzlich überschlugen sich die Informationen: Wir bezahlten die nächste Nacht, zogen in ein anderes Zimmer, zahlten um möglichen Komplikationen mit der Polizei oder Grenzbeamten vorzubeugen am dritten Tag die vorgeschriebene Registrierung in Russland und holten Informationen zum Verlauf der Feuer ein, da die dichte Wand vor den Fenstern schon Fragen aufkommen ließ. Und – endlich – nachdem wir gestern nur völlig veraltete Satellitenbilder der ESA vom letzten Monat und andere hingefrickelte zu den Feuern gefunden hatten, zeigt man uns eine russische Seite, die über äußerst aktuelle Informationen verfügt.

So also der Stand am Mittag gegen 12 Uhr, Quelle pozhar.yandex.ru:

Entlang der skizzierten Route der Eisenbahn finden sich nur vereinzelt Feuerlogos. Aber wir sehen keinen Grund zur Sorge, da keine Nachrichten über Böschungsbrände oder ausgesetzte Züge bekannt geworden sind. Nicht einmal Flüge wurden gecancelt, höchstens auf andere Flughäfen verlegt. Und schließlich hat man uns erst gestern noch Tickets für die TransSib verkauft.

Dass die Situation trotzdem etwas bedrohliches hatte, nicht nur von der Karte aus gesehen, zeigte sich auch beim Vorbereiten dieses Artikels, als uns Google die Übersetzung für ein Transparent, das über die Straße vor unserem Hostel gespannt war, präsentierte:

ЖАРА. СМОГ. ОТПУСК.
HEAT. SMOG. LEAVE.
HEAT. SMOG. LEAVE.

Da uns die Übersetzung aber auch, wenn das letzte Wort ohne Punkt eingegeben wurde, vacation vorschlug, machten wir uns, nach stundenlangem Verharren im Hostel, doch noch einmal auf den Weg in die Innenstadt, um endlich unser Touriprogramm abzufahren.

Kreml!

In der grünen Lunge Moskaus angekommen, einem grünen Park beim Kreml, bei offensichtlich geringerer Schadstoffbelastung als im Rest der Stadt, gönnte sich die Reisegruppe erst einmal ein Lungenupdate. Wie schön das sein kann!

Mülleimerreflektionen

Weiter ließen wir uns um den Kreml herumtreiben, flossen den Besucherströmen hinterher und beobachteten die ein oder andere Hochzeit, die sich ihren sozialen Status vor Ort in Fotos zementieren ließen. Vorbei am Mausoleum Lenins, eingehüllt in die bekannte Rauchwolke, fanden wir auf dem Roten Platz irgendwo tatsächlich auch die Sonne.

Mausoleum Lenins bei Smog

Irgendwo ... die Sonne

Nach unserem touristischen Intermezzo begingen wir also noch einmal die nähere Nachbarschaft des Arbatviertels. Straßenhändler, Musiker und allerlei Gesocks sammelten sich in der Fußgängerpassage, welche uns zum Biertrinken in einer Seitenstraße führte.

Aus dem Restaurant nebenan dringt eine lokale Live-Interpretation bekannter kubanischer Rhythmen, vereinzelte Seelen fragen uns über die Brüstung des überdachten Biergartens nach irgendwas und neben dem Luxushotel der Gegend, zwischen der Spanischen und auch Mongolischen Botschaft, flanieren Jungmännergruppen und wünschen sich, dass es bereits Nacht ist.

Was bleibt von diesem Tag, außer der Kater am nächsten Morgen, nachdem ich für nur ein Getränk kurz in die Küche der feiernden Russen geganen war?
Einmal mehr die Bestätigung, dass Russland voller starker Kontraste und mitunter unüberwindbarer Gegensätze ist.

gegensätze ziehen sich an

So legten wir uns denn mit folgender Karte im Sinn vor der ersten Zugfahrt nieder und hofften für unsere Strecke nur das Beste. Eine weitere Momentaufnahme 10 Stunden nach der letzten Karte.

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