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This article was written on 13 Apr 2010, and is filled under out of time, verteiltes Leben.

Guten Abend, Gute Nacht

“Werte Freunde, wenn ich noch Freunde sagen darf,

es fällt mir schwer mich in der Form an euch, ja uns, wenn ich mich einschließen darf, zu wenden, denn die Zeit und die Umstände gebieten einen seichteren, wenn doch ernsteren Ton.

Zunächst erfreue ich mich an unserer Anwesenheit. Hmm… tiefes Atmen ist doch möglich, wenn gleich etwas schwerer und stockender…

Ist es nicht herrlich und das in solchen Zeiten, welche uns zu solchen Anlässen zusammentreffen lassen. Immer weniger gebietet es die Gelegenheit zusammenzufinden und einfach über Vergangenes oder Zukünftiges zu sinnieren – nur das heute und morgen oder das Wochenende stehen im Mittelpunkt der Betrachtung.Weit entrückt sich das Prinzip der sinnbedeutenden Zukunftsvision, die gern mit Partizipierenden oder von denen gedacht wird, dass sie es sollten, geteilt und erörtert und verbunden und abgestimmt und und und und und. Das, was wird, ist doch das eigentlich Spannende, aber dazu werde ich später in meiner Leichenrede zu sprechen kommen.

Ja, Leichenrede! Denn der Anlass ist ein nicht allzuerfreulicher, aber dennoch zu begrüßender. Vorbei die Zeiten, der Stigmatisierung der Alten, der Heroisierung der Vorderen und Lob- und Preisung der Vordesseren – die Stunden der langen Weile, die uns Kurzweiliges bot zur Unterhaltung für seichte Strecken des Alltags, Minutenweise Abrechnung ohne Rechnungen zu sehen, nur zu bezahlen, Aufmerksamkeit schenken und letzte Hemden den Hemdsärmligen zu geben. Vermissen wir die Zeit des Armkrempelns nicht jetzt schon – was gilt es erst jetzt den Krempel zu entrümpeln, um nicht nur Platz für Neues, sondern auch Nochnichtgeräumtes zu schaffen?

Nicht eine Welt bricht zusammen, das Denken erbricht. Es kotzt sich aus und entleert sein Inneres. Kein Trauergewand ist von Nöten – zu kreidebleich mag es wohl sich legen, aber zu grün und bunt passt eben nur in Farbe. und bunt Punkt

Zu Grabe nun die Idee des alten Menschen, ein Streben nach vernetzter Individualität. Wie informiert kann man sein, um wirklich individuell zu sein? Statt zu anti- oder partizipieren agieren und generieren. Frischen Strom in den Fluss bringen und zwar den eigenen und keinen nicht anderen.

Und getanzt wird all über den Gräbern. Ein Handeln und Denken zugleich. Bewusst erklimmen, was erschaffen wurde, um zu sterben, auch wir, meine Freunde, wenn ich schon Freunde sagen darf, sind geschaffen worden um zu sterben. Doch nicht jetzt und nicht gleich – jetzt ist es Zeit sich zu erheben. Brüllt heras den Geifer des Raffenden, den Odem des Phönix, den immer Wiederkehrenden.

HUCH!

…falsches Grab. Es ist wohl noch zu früh zum Singen und sich zu vergewissern, ob ich nicht umsonst den weiten Weg in die alte Welt gemacht habe. Mit Verlaub gesagt: Jedes Wort in Ehren, aber Zeit ist’s mich auf zu machen. Denn Aufbrechen kann jeder, nur Ankommen ist die Weit größere Aufgabe – Gerade für mich als Läuterthor.

Guten Abend. Gute Nacht.”

Ronson von Schlotzenfuchs

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