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This article was written on 28 Jul 2010, and is filled under out of time.

Auftakt nach Maß. Oder: “Hier nen bisschen Baustellenromantik” (Nulldrei-TV 04:41 Minuten)

SV Babelsberg 03 – FC Bayern München II 1:0 (1:0)

So eine neue Saison in einer neuen Liga ist schon aufregend. Vorallem, weil wir in dieser recht jungen dritten Liga das erste Mal gastieren durften. Und das dies von längerer Dauer sein soll, dass ist auch am Ergebnis ablesbar. Dazu aber später mehr.

Wunderbarstes Fussballwetter präsentierte sich am Sonntag im Nordosten der Republik, als unsere Nulldreier den ersten Spieltag gegen die kleinen Bayern komplettierten. Diese Saison ist alles etwas anders in unserem geliebten Karli. Scharfsinnigen Beobachtern fiel auf, dass es ein kleines abgesperrtes “Loch” im Stadion gibt, die Rede ist natürlich vom ehemaligen Block K, welcher mit Maschinenkraft erfolgreich abgetragen wurde. Einfach ein paar Bauzäune rumgestellt und schon kanns losgehen. Das hatte zur Folge, dass der geneigte Nulldreier eben etwas zusammenrückt in unserer großen, wunderschönen Gegengeraden. So solls sein.

Der alte und neue Caterer wartete indes mit einer spacigen Kaffeebude und vegetarischen Bratwürsten auf, was in puncto Versorgung wohl die gravierendste Differenz zur Vorsaison darstellt. An dieser Stelle des Berichtes möchte ich nochmal für die Bürgerbewegung “Pro Currywurst im Karli” (PCiK) werben, welche sich in einer fairen Umfrage mit absoluter Mehrheit durchsetzen konnte. Die Befürworter werden mit Spannung den weiteren Saisonverlauf observieren.

Und auch unseren neuen Trikots dürfen selbstverständlich nicht unerwähnt bleiben. Als neuen Ausrüster darf unsere Equipe nun Umbro Willkommen heißen und die neuen, hellblauen Oberteile fanden im Fancontainer reißenden Absatz. Trotz pünktlichem Erscheinen im Stadion war keins dieser Exemplare mehr ersteigerbar und ich musste mich mit dem dunkelblauen Trainingsleibchen zufrieden geben.

So gings dann auch langsam aber sicher ins Geschehen, man nahm die üblichen Plätze im Block C ein und fieberte dem Anpfiff entgegen. Ich befand mich in sicherer Umgebung bei meinem Adjutanten Tabbi, dem Fräulein Wunder-Kollektiv, Stadionschreier VHM sowie dem Nulldrei-Redakteur Lieb Knecht, welcher offensichtlich den Kampf gegen seine Mieze verlor. Die Bayern brachten auch einen Schwung Fans mit und so war alles bereitet für einen angenehmen Fussballnachmittag.

Eine Randbemerkung möchte ich hier noch einstreuen, nämlich die mediale Präsenz, die so eine dritte Liga gegenüber den Regionalligen mit sich bringt. Alleine schon der Presseticker auf unserer Homepage platzt aus allen Nähten, anstatt sonstiger fünf Berichtchen oder dergleichen sind es nun auch einige überregionale Medien, welche an der Kommunikation teilnehmen. Und auch die neu aufpolierte Seite des Kicker-Magazins frohlockt mit eigenen, kleinen Spielberichten, wo früher eine knallgraue Statistik zu sehen war. Dazu noch unser wunderbares Add-On “Nulldrei-TV” und schon bin ich fast überflüssig. Naja, so ganz dann vielleicht auch nicht, schließlich sind unsere Spielberichte keine exakte Analyse auf Skyniveau, sondern vielmehr verruchte Fragmente eines Tages, die sich um Fußball und Babelsberg 03 drehen.

Dann gings auch los. Die ersten Gesänge raunten durch die Nordkurve und neugierige Blicke säumten das Rund. Nulldrei konnte sich nach einer Minute gleich eine Ecke erspielen und dann wars auch schon soweit: Kurze Ecke auf Anton Müller, welcher präzise auf einen unserer Neuzugänge, Robert Paul, flankte und dieser es mit einem wunderschön platzierten Kopfballtor ins rechte untere Eck dankte. Wer also nach Anpfiff noch etwas rumdöste oder zu den vielen Menschen gehörte, welche ziemlich lange vor den Stadiontoren am Einlass warteten, für die war das Highlight schon abgegessen. Das 1:0 neben 3:2 unser Lieblingsergebnis ist dürfte keine Neuheit sein. Allerdings ist der zeitliche Rahmen doch anders gesteckt, denn selten vollstreckte Nulldrei zu solch früher Zeit eine Ecke! Passte mir aber ganz gut und den anderen soweit ich es mitbekommen hatte ebenso. Nulldrei wirkte in den ersten 30 Minuten frisch und hungrig, was sich in einem ansehnlichen Kick zeigte. Hier und da mal ein paar kleinere Chancen und ein engagierter Auftritt gegen eine junge Bayernmannschaft, die so nach 25 Minuten richtig mitspielte. Und wie sie dies taten! Es war schon hübsch mit anzusehen, mit welcher Genauigkeit das Passspiel der Roten funktionierte. Dafür, dass die Saison blutjung ist, die Mannschaft gerade vom Trainingslager der Profis wiederkehrten und nach eigenen Aussagen schwächer ist als in den Vorjahren… nunja. Da werden sich andere Teams noch wundern, wenn die Ballsicherheit und technische Dominanz in Form von Toren zum Ausdruck gebracht wird. Heute verzichteten die Bajuwaren darauf, was Hermann Gerland sichtlich nervös machte und den einen oder anderen Ausraster provozierte. Aber alles im gesunden Rahmen. Das ist eben eine Ausbildungsmannschaft, wie der Gästetrainer auch in der Pressekonferenz betonte. Es geht also darum, ein paar Spieler für die Erste Bundesliga und höhere Aufgaben zu schulen und den jungen Talenten Spielpraxis zu bieten. Ganz andere Maßstäbe, wenn man dies mal mit unserem kleinen Kiezclub vergleicht. Dennoch eint das gemeinsame Ziel und das lautet: Klassenerhalt.

Im Spiel ging es dann hin und her, allerdings übernahmen die Roten sichtbar das Zepter und übten das Van Gaal’sche Todespassspiel, wo der Gegner flink hinterher sein muss. Aber unsere Weißen hielten tapfer dagegen, machten hinten ordentlich zu und blieben für eigene Angriffe gut. So hatte beispielsweise Guido Kocer vor der Halbzeit die große Möglichkeit nach Vorlage von Müller zu vollenden. Allerdings haute er unglücklich über den Ball und die Chance war dahin. Macht nix, wir haben Unger, Unger, Unger, haben Unger……

Der wurde aber netterweise kaum geprüft, was summa summarum den ersten Dreier von 38 Möglichkeiten einbrachte. Sonderlich viele Torszenen gibts nicht zu beschreiben und wers trotzdem nochmal ganz genau haben will, dem sei wärmstens Nulldrei-TV ans Herz gelegt. Ich werde lieber noch ein paar andere Geschichten in diesen Bericht einbringen. Zum Beispiel die neue Polizeilinie im Karli ging voll auf. Man entferne so ziemlich alle Beamte aus dem Stadion und stelle einen Patrick Moritz in den Pufferblock – bombensicher das Ganze. Sicher ein Abbild für die nette Atmosphäre, die im Karli zugegen war. Die Gäste benahmen sich anständig und fielen auch nicht durch Pöbelei oder Hassgesänge auf, sowas sieht man hier gerne. Tja, während einige dann zu Autogrammjägern bei Gerd Müller avancierten hatte ich seltsame Gespräche über The Prodigy-Kondome mit Fräulein Wunder, letztendlich kams sogar zum Thema “Auswaschen und abkochen”. Einzelheiten dazu fallen der Zensur zum Opfer.

Nach dem Spiel gings dann noch heiß her, ich tingelte zwischen Pressekonferenz, Fanladen und dem Nowawes und sah viele Leute wieder, die nun auch ihre blau-weiße Sommerpause überstanden hatten und sich erneut in Fußballkultur erfreuen durften. So traf ich Lothar und Anna am Fanladen, wurde 12 Uhr morgens am S Landsberger Allee von Punkern mit Bierchen begrüßt und hatte Schwein, dass der Lüscher-Jens so freundlich war und mir eins der letzten Stadionhefte sicherte. Sonntag gehts dann weiter und zwar in die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden, wo erneuter Punkteklau auf dem Plan steht. An dieser Stelle möchte ich den Nulldreipunktelaufstab reanimieren und werfe ihn freudig zu Melu, welcher als neuer Schreiberling im Webkollektiv tätig ist und vom nächsten Auftritt unserer Babelsberger berichten wird.

In diesem Sinne: Lasset die Blau-Weißen Fahnen Wehen…

SV Babelsberg 03:
Unger, Surma, Hoffmann, Civa (74. Prochnow), Evers, Paul, Schütz, Kocer (65. Rudolph), Müller, Makarenko (84. Hahne), Stroh-Engel

FC Bayern München II:
Riedmüller, Haas, Holzmann (64. Kurz), Köz, Leist, Alaba, Erb (64. Hajdarovic), Sene, Knasmüllner, Jüllich, Yilmaz

Tore: 1:0 Paul (2.)

Gäste: Knapp 200

Quelle: http://www.babelsberg03.de/teams/berichte.php?liga=29&season=1011&day=1

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