stimulanzzirkel

Information

This article was written on 26 Feb 2010, and is filled under out of time.

201

Artikel 200, Congratulations Nietzsche!

Musste ich denn erst bis nach Budapest fahren, um das zu sehen?

Was sehe ich denn sonst noch so Neues?

Symbolische Blockaden – seit ich diesen Begriff bei Szizek gefunden habe, geht er mir nicht mehr aus dem Kopf. Vieles erscheint mir nun klarer, was im sprachlich materialisierten, diskursiven Denken stattfindet. Ein Beispiel:

Ein sprachliches Narrativ konstruiert unsere Umwelt, unsere Beschreibung davon, und eine scheinbar zwingende innere Logik unseres Verständnisses von Kausalität verhindert alternatives Vokabular. Was meine ich?

Wir glauben unsere Lügen. Wir nehmen unsere Vorstellung von der Welt für wahr.

Die Sprache, die wir benutzen, entstand im Austausch mit vielen anderen Menschen, wodurch wir Perspektiven teilen und an ihnen Teil haben, Teil von ihnen werden. Und doch (ver-) bleibt oft im Hintergrund ein subjektives Meta-Narrativ, das versucht diese einzelnen Perspektiven einander anzunähern, sie in sinnhafte Beziehungen zu setzen, zu verstehen. Und diese Annahme von Beziehungen ist die Lüge:
Mehr oder weniger bewusst kondensieren umfassende, ganzheitliche Eindrücke und Erfahrungen in Abstraktionen. In unserem stillen Wortschatz gerät nun einiges in Bewegung. Anschlüsse werden gesucht, Linearitäten postuliert, Abhängigkeiten festgestellt und dem neuen Engramm wird ein Platz in unserer symbolischen Ordnung zugewiesen, von wo es aus seine Reise durch diese beginnt.

Denn natürlich ist der Platz, schon von Anfang an, aber jetzt eben auch noch weiterhin einer beständigen Neuausrichtung unterworfen, die von Zeit zu Zeit in quasistabilen Zuständen ruht. Bis eben durch Aufschaukelung oder genügend Schock erneut Veränderung angestoßen wird.

Schwierig an der ganzen Geschichte ist einfach die Einsicht darin, dass wir nicht beständig Herr unserer Sinne sind, nicht im bewussten Sinne oder dem Verständnis von Bewusstsein nach, welches uns ebenfalls suggeriert, über einen festen Identitätskern zu verfügen. Höchstens ist dies eine wunschhafte Psychose, an der wir festhalten, mehr ein Traum von uns selbst, als eine Realität.

Unsere Vorstellungen werden aber in ihren Konsequenzen real, so heißt es im circus, also lässt sich das Dilemma nur damit lösen, dass wir den Zustand der sprachlichen Kritik, damit der Assoziation mit Vergangenem, verlassen und unser Bewusstsein an der nichtdiskursiven Gegenwart (An-)Teil haben lassen. Dort, im paradox-widersprüchlichen Raum, finden wir vielleicht einmal die Wahrheit.

Denn wenn wir wirklich aufwachen, so heißt es andernorts, erkennen wir, dass wir träumen.

Der Text hätte auch: Die Lücken in der Sprache heißen können.

Schreibe einen Kommentar

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.