stimulanzzirkel

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This article was written on 11 Aug 2009, and is filled under out of time.

Zufälligkeit

Mir beim Aufschlagen einer zufälligen Seite aus Erich Kästners lyrischer Hausapotheke im Gewuseldusel in die Hände gefallen:

Plädoyer einer Frau

Du darfst mir das, was war nicht übel nehmen.
Ich sag es Dir, obwohl Du mich nicht fragst.
Sieh mich dabei nicht an, ich will mich schämen
Und tun, als ob die Toten wiederkämen.
Ich glaube nicht, dass Du mich dann noch magst.

Ich will nicht sagen, dass ich mir verzeihe,
Denn darauf kommt es im Moment nicht an.
Ich wartete und kam nicht an die Reihe.
Wer keinen Mann hat, hat auf einmal zweie.
Doch fünf von diesen wären noch kein Mann.

Man fühlt, man könnte einem was bedeuten.
Es ist nur traurig, dass es ihn nicht gibt.
Und dann umarmt man sich mit fremden Leuten
Und wird zu einer von den vielen Bräuten,
Die sich nur lieben lässt und selbst nicht liebt.

Die Zeit vergeht, Geduld ist keine Ware.
Man sucht nicht mehr, man findet ab und zu.
Man sieht vom Fenster aus die Jagd der Jahre.
Man wartet nicht mehr auf das Wunderbare.
Und plötzlich kommt es doch, denn nun kommst Du.

Was war, das bleibt, wie kann ich mich erneuern?
Mir wird ein Schmerz mit Nadeln zugenäht.
Was war, das bleibt, man kann es nur bereuen.
Nun bist du da, nun sollte ich mich freuen.
Ich bin nicht froh. Ist es denn schon zu spät?

Erich Kästner

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