stimulanzzirkel

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This article was written on 28 Dez 2009, and is filled under out of time.

Konstanz und Veränderung.

Die letzten drei Tage (nach dem 24. war ich nur noch zuhause und die meiste Zeit wollte ich allein sein. vielleicht bin ich mal etwas mehr zur Ruhe gekommen als üblich, ich empfinde mich auf jeden Fall gesetzter und nachdenklicher. Naja immerhin ist ja auch Winter, auf den man das schieben kann. merkst du, wie ich schon wieder in der Klammer gefangen bin? schluss. ) waren auf jeden Fall notwendig zum Reflektieren des Jahres, zum Überprüfen von Einstellungen und zur Ausrichtung hin auf das Neue.
Vielleicht möchte ich auch, dass dieses Jahrzehnt nicht zu Ende geht.
Irgendwie war das doch die Jugend. es ist sie eben noch. noch.
aber wenn du auf nem Dubstep-Konzert nicht gerade wenige 17-Jährige siehst, dann weißt du, dass es ne ganze Brut gibt die lauert und Plätze einnimmt, ja sie zu Recht einfordert.
Man selbst findet sich dann irgendwann nur noch auf Videoabenden oder Goafestivals wieder, aber warum sich beschränken. Wahrscheinlich ist es doch eine Chance.
Keine Barrieren zwischen den Generationen mehr, dafür verschiedene Lebenswelten in allen Altersbereichen. Wie viele Anfang-20-Jährige gibt es wohl da draußen, die so völlig andere Sachen machen, die völlig anders reden, sich weitab der eigenen Präferenzen (wenn es die gibt!) kleiden, sich anderen Frequenzen widmen, verschiedene Gerichte und Getränke mögen, zum Friseur oder zu McFit gehen.
Oder was passiert, wenn deine Freunde zu McFit gehen?
Sind nicht alles Statements? Standortbestimmungen im sozial Möglichen.
Die Konstitution der Identität als Flickenteppich von Etiketten, Vorlieben und Denkweisen.
Spannend dabei, dass es sich hierbei a) um die Folgen eines Re-Entrys soziologischer Theorie in die Gesellschaft handelt. Bourdieu entwickelt den Habitusbegriff, klassifiziert Individuen milieuartig durch ihre Lebensstile. Doch ich kann mir weitestgehend aussuchen, welche Werte ich verfolge da jede gleiche Information für unterschiedliche Argumentationen herangezogen werden kann.
Da mensch „weiß“, zumindest aber ahnt, dass bestimmte Werte (was bedeutet mir ein großer Fernseher, Mobilität, ein Buch oder ein selbstgekochtes Essen?) Ausdruck eines Lebensstils sind und somit auch Auskunft über die, ja, jetzt kommt ein fieses Wort, sozialen Aufstiegsschancen geben, wird die Identität heute mehr denn je zur bewussten Konstuktion.
Dieses Spiel wird von den Massenmedien nur vorangetrieben, in dem sie sich dankend aller Clischées bedienen, die sie finden können und ein Bild des „normalen“ zeichnen.
Normal ist dabei, *hust* bürgerlich, unreflektiert, unkritisch, sich um kleine Probleme des Alltags sorgend und die Frage nach dem Sinn mit irdischen Vergnüglichkeiten, Sport, Spiel und Sex zu vertuschen. Das Internet schickt sich jedoch hier als hervorragendes Medium an, der Diversifizierung von Lebensentwürfen stärker Tribut zu zollen. Im zweiten Schritt fungiert es vielleicht auch als das Werkzeug der wahren Aufklärung, in welcher wir uns nach wie vor befinden.
Doch zurück zu den Identitäten.
Der Re-Entry bedeutet also, dass die Theorie, ursprünglich aus der Gesellschaft entnommen, aus ihr geformt, in ihrer Verbreitung Veränderungen in ihr selbst induziert.
Ist das nicht verrückt? Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass jede Theorie immer nur Momentaufnahme sein kann. Immer nur im Zustand der Beobachtung Gültigkeit bestitzen kann.
Doch ein zweiter Punkt, b), wartet auf sein Eintreffen.
b) ist nämlich bei dem ganzen Spiel zu beachten, dass es immer zwei Seiten sind, die an der Konstruktion beteiligt sind: du und andere. Jeder kann etwas über dich sagen und du wirst dich in der Frage wiederfinden, ob das Ausgesprochene zutrifft.
Pikant ist dabei wieder: du kannst entscheidend dazu beitragen, was über dich gedacht und somit auch was dir über dich als Spiegel vorgehalten wird.
Du kannst entscheiden. Willst du, dass mensch denkt, du würdest stets zu lang schlafen?
Du kannst sogar lange schlafen und andere im Falle des Falles davon überzeugen, dass du früh aufgestanden wärest.

Somit kommen wir zum dritten und letzten Punkt:
Nichts steht fest.
Alles auf Wackeligen Beinen.
Morgen kann ich Veganer werden, Raucher, Alkoholiker, Sportler, Selbstständig, auf Märkten arbeiten oder bei Kaiser’s an der Kasse sitzen.
Nein, etwas erleichtert stelle ich fest, dass Entscheidungen ja schon gefällt, Wege ja schon geebnet sind.
Nicht alle Möglichkeiten sind wirklich möglich. Routine. Gewohnheit.

und nun: mal zwei Wochen ungewohnt sein.

One Comment

  1. HARRY
    5. Januar 2010

    Ist es nicht eben das, was uns alle so einzigartig macht und das auch noch in jedem Augenblick?
    Der eigene Weg hat ja schon mal nen anderen Start als Ausgangspunkt, die gemeinsamen Schnittpunkte der Wege der anderen sind eben diese ZeitabSCHNITTE oder Momente in denen zumindest ähnliches erlebt wird, immer davon ausgehend, dass der Blickwinkel, trotz vielleicht gleicher Begebenheiten, einen anderen Fokus hat.
    Interessant wird es erst, wenn die Zeitstrahlen beider Wege , sofern ich sie als linear betrachten kann, eine Zeit lang annähernd parallel verläufen und der geimeinsame Austausch über eben Erlebtes stattfindet, dass es dann erst dazu kommt, dass beide Wege sich kreuzen und nicht beim näheren Vergleichen doch windschief sind.
    Eben dieses windschief sein, ist das, was man üblicherweise als Reden über eine Sache, aber dennoch an einander vorbei, bezeichnet. Der Rest der nicht zutrifft ist Individualität, also in Bezug auf Erfahrung, Wissen und allem anderen, worin der Mensch unterschiedlich sein kann.
    Man kann sich jedoch nicht in allem unterschiedlich sein, denn wenn man der genetischen Erkenntnis Glauben schenken darf, dann wäre der Mensch zu 99% identisch. So wie arbeiten an wissenschaftlichen Theorien zu 99% Transpiration sind, so sind 1% Inspiration. In ähnlicher Weise ist also der Mensch dazu fähig, aus seiner 99%-igen Einheitsmasse etwas völlig untercshiedliches zu machen und zwar um 1% und das ist die eigene Erfahrung, also der unterschiedliche Weg, den er mit seinen Voraussetzungen geht.
    Die Frage der Größe des Unterschieds ist in der Angabe in Prozent ja nicht beantwortet, somit kann der winzigkleine Unterschied dennoch beinahe unendlich groß sein – alles eine Frage des Bezugrahmens.

    ich leg mich jetzt in meinen Bezugsrahmen: Decke auf dem Sofa…

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