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This article was written on 26 Sep 2008, and is filled under Berlin, out of time.

Sternenstaub – in was für einer Welt leben wir eigentlich?


Versetzen wir uns ins Berlin des Jahres 2008.
Was können wir aus obigem Satz ablesen?

Zunächst einmal, dass es kohlenstoffbasierte Lebensformen auf einem Gesteinsbrocken um einen kleinen Stern im äußerem Spiralarm der Galaxie Milchstraße gibt. Einige von diesen Zellhaufen halten sich für höher entwickelt als andere Zellhaufen, weil sie Kultur und Sprache herausbildeten, sich für intelligent, vernunftbegabt, lern- und anpassungsfähig halten, sich selbst in Bezug zu ihrer Welt setzen, sie rational („wissenschaftlich“) ergründen und infolgedessen die Galaxie, durch die sie schweben Milchstraße nennen.

Nennen wir diese kulturbildenden Zellhaufen Menschen, und ja, du und ich gehören auch dazu.

Zweitens können wir den obigen Satz lesen, weil die Menschen ein weltumspannendes Kommunikationsnetz („Internet“) etabliert haben, in dem jeder, der Zugang zu diesem Netz besitzt der Idee nach gleichberechtigt Inhalte („Content“) produzieren, publizieren und konsumieren kann.

Aber es geht noch weiter: Der obige Satz impliziert nicht nur, dass sich diese Zellhaufen in Siedlungshaufen („Berlin“) zusammenrotten und ihre Zeit verzeitlichen, indem sie sie in kleine lineare Stücke schneiden und beziffern („2008“),
nein, etwas elementares fehlt noch.

Der obige Satz setzt weiterhin voraus, dass die menschliche Sprache eine Syntax besitzt,
die sie allgemein verständlich macht, wogleich es regional zu großen Unterschieden kommt.
Sie verlangt also überdies nicht nur, dass du in der Lage sein musst,
die Syntax und Vokabeln zu kennen („deutsch“ zu sprechen),
sondern auch die sie darstellende Symbolik („Buchstaben“) lesen und verstehen zu können.

Nun gut, die Menschen bemühen sich, dass möglichst viele von ihnen lesen und schreiben können,
wofür man in allgemeinbildenden Schulen wohl so zwei Umdrehungen ihres Planeten um ihren Stern benötigt.
Schon weniger bemühen sich, auch deutsch zu lernen. Warum auch?

Wenn sie die freie Wahl haben,
was nur einem kleinen Teil der Menschen vorbehalten ist,
tun sie mit Vorliebe, aber nicht ausschließlich das,
was ihnen persönliche Vorteile bringt.
Seither versuchen sie mehr oder weniger kläglich, allen die freie Entfaltung ihrer persönlichen Vorteile zu ermöglichen, was im Berlin des Jahres 2008 mit einer politischen Form der sogenannten Demokratie und mit einem Wirtschaftssystem der sogenannten sozialen Marktwirtschaft – oder war es doch der transglobale neoliberale Turbokapitalismus? – vorgetäuscht wurde.

Da Menschen wenn sie die freie Wahl haben auf schier unermessliche Wahlmöglichkeiten treffen,
fragen sie sich, ob nicht eine andere Sprache mehr Vorteile bringt als das deutsche.
Die Frage können sie sich eben genau deswegen stellen, weil sie in einer kultivierten Welt leben, einer Welt, die sie selbst geschaffen haben, in der sie sich nicht fragen müssen, wann sie ihren kohlenstoffbasierten Stoffwechsel wieder füttern können um ihr „Leben“ aufrechtzuerhalten, sondern die Freiheit haben, darüber nachzudenken,
wer sie sind, wie sie ihre Lebenszeit verbringen möchten und wie sie das anstellen.
Freiheit ist der Abstand zwischen Jäger und Gejagtem.

Okay, vielleicht sagst du jetzt, warum dieser ganze Schriebs?
Das alles weiß doch jeder in jedem Moment: es ist unser kosmisches Bewusstsein.

Genau an diesem Punkt treffen wir uns wieder, denn wenn es nichts besonderes ist,
etwas nachzudenken und das Ergebnis hier allen Interessierten lesenden Deutschsprechern zugänglich zu machen,
sich also Gedanken um uns, unsere Selbstverhältnisse, unsere Kultur und unsere Ziele zu machen,
dann kann es auch nichts besonderes sein, nach diesen Zielen zu streben, für sie Kriege zu begehen oder
für sie in einer finnischen Berufsschule wild um sich zu schießen. Es kann dann nichts besonderes sein, mit dem Bus zur Arbeit zu fahren und sich zu ärgern, wenn er zu spät kommt.
Es kann nichts besonderes sein, sich wegen den kleinsten Kleinigkeiten aufzuregen, sich mit Sorgen zu beladen und infolgedessen andauernd zu meckern und sich schlecht zu fühlen.

Es kann durchaus etwas besonderes sein, mit etwas mehr Leichigkeit durchs Leben zu gehen.
Denn lebend kommst du da eh nicht raus.
Wie hat Craig gesagt: „Ich bin immer auf der Suche nach dem Lächeln.“
Lächele öfter!

Wenn du also mal wieder Sorgen hast, besinne dich einfach darauf zurück, dass du nur ein kohlenstoffbasierter Zellhaufen bist, der nach einer astronomischen Nanosekunde schon wieder zu Sternenstaub zerfällt und lache drüber – wozu auch der ganze Stress?

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