stimulanzzirkel

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This article was written on 29 Okt 2008, and is filled under out of time.

Hilfe, die Systemtheorie frisst mich auf…

Hilfe, ich fange an systemtheoretisch zu denken.

Es ist dieses unbeschreibliche Gefühl,
nach dem Seminar vor der Uni zu stehen und einzusehen,
dass der eben drinnen geäußerte Gedankengang
der puren Systemtheorie Niklas Luhmanns entsprang.

Nicht nur schlimm genug, dass niemand da war,
den mein Leid interessiert hätte,
wahrscheinlich hätte es auch niemand verstehen können.

Was tut man nun ein gefühltes halbes Jahrhundert nach dem Positivismusstreit
angesichts der sich auftuenden Kluft zwischen einerseits den Nachkommen der kritischen Theorie,
die noch eine Zielvorstellung von Gesellschaft hatte und emanzipatorische Einflussnahme predigte und
andererseits der so technokratisch-nüchternen Systemtheorie mit ihrem apologetisch-ignoranten Weltbild?

Was tut man in Zeiten, in denen Habermas als theoriekonservativ gelten muss und
in denen der biedere Luhmann langsam von der angelsächsischen Fachwelt
rezipiert und als fortschrittlich gefeiert wird?

Wie kann man noch Position beziehen,
wenn die eigenen Gedanken schon
vom erklärten Gegner durchtränkt sind?

Die Antworten müssen wohl vertagt werden.
Das autonome Seminar über die grundlegenden Differenzen
(aber auch über die Gemeinsamkeiten)
der beiden großen deutschen Sozialtheoretiker der letzten Jahrzehnte („System & Lebenswelt“)
geht noch bis Anfang Februar.

Einen Vorteil hat Habermas unbestrittenerweise:
Allein er kann noch Position beziehen,
denn im Gegensatz zu Luhmann lebt er noch.

2 Comments

  1. Nils
    30. Oktober 2008

    Der Gedanke kommt mir bekannt vor. Ich hatte meinen ersten Systemtheorieflash auf der Fusion. Trancefloor um 3.00. Autopoetische Systeme deren psychisches System durch komische Irritationen des pysiologische sipysiologische ch transformiert, was natürlich Rückwirkung auf das soziale System auf der Tanzfläche hat. Großartig,.
    Die Systemtheorie hat den großen Vorteil das sie eine Theorie mit nahezu unbegrenzter Reichweite ist und dazu soziologisch äusserst innovativ ist. Aber die Auswirkungen der systemtheoretischen Alltagsbetrachtung sind erschreckend. Abschied vom Humanismus und Gerechtigkeit. Die instrumentelle Vernunft durchdringt diese Weltsicht. Kalt und ironisch.

  2. Thadeus Protz
    2. Dezember 2008

    „Kalt und ironisch.“

    Auch die Systhemtheorie ist zuallererst _nur_ eine Theorie. Sie hat, wie ihre Geschwister, nichts mit der wirklichen Welt zu tun. Insofern auf ihr beruhende Vorhersagen tatsächlich eintreffen, ist dies dem Glück in der Lotterie ähnlicher als wirklich eine Beschreibung der _Wirklichkeit_ zu sein.

    Was wirklich ist, bleibt uns verborgen.
    Wir nehmen immer nur eine Perspektive ein.

    Wo ist die systhemtheoretische Perspektive zu Liebe, Mitgefühl, Empathie, Freundschaft, Religion, von mir aus sogar Esotherik? Wären deren Erklärungen tatsächlich nur systhemtheoretische Modelle mit verändertem Vokabular? Oder ist da mehr? Können wir darüber eine Aussage treffen?

    Ihr seht, ich bin selbst ratlos.

    jon

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