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This article was written on 15 Okt 2007, and is filled under out of time.

Hausarbeit.

Kann auch Spaß machen.
Bei Bier und ohrenbetäubenden Tok Toks und Soffy Os zum Beispiel geht es fast genauso gut wie in völliger Abgeschiedenheit und einem großen Haus auf dem Land.

„Wenn die Alltagspraxis eines Studenten zum Beispiel darin besteht, erst mittags aufzustehen, dann ins Kaffeehaus und schließlich in den revolutionären Studentenclub zu gehen, drängt sich ihm früher oder später die Frage auf, wie sich dies mit seinem Lebensplan, ausgewiesener Hochschulprofessor zu werden und den Lebensabend wohlsituiert in der Toskana zu verbringen, vereinbaren lässt und ob sich eine derartige Alltagspraxis in ‚unserer Zeit‘ überhaupt noch vertreten lässt, wenn man nicht mittel- oder langfristig ökonomisch exkludiert werden will. Ebenso stellt sich die Frage, ob sein Lebensplan überhaupt noch zeitgemäß ist – und ob es überhaupt noch zeitgemäß ist, langfristige Lebenspläne auszubilden.“
(Hartmut Rosa, Beschleunigung, Suhrkamp, Frankfurt/Main 2005, S. 32)

Rosa hat Recht mit seinem Hinweis.
Langfristige Lebenspläne sind out.
Die Toskana sowieso, aber was bedeutet das für den Studenten, der sich selbst am ehesten als ‚urbanen Hedomanen‘ beschrieben sehen will? Der Von einem Ort zum Nächsten pilgert, dabei überhaupt nicht mehr auf der Suche nach Leichtigkeit, Entspannung oder Spaß ist, denn er hat sich seine Umwelt sowieso schon derart selektiert, dass diese Attribute überall wo er sich aufhält Anwendung finden können, ja müssen.
Eine Mischung aus Hedonist und Nomade also in urbaner Umgebung.

Aber bisher sind wohl noch fast alle Nomaden sesshaft (gemacht) geworden.
…und so sollte ich wohl besser an meiner Hausarbeit weiterschreiben,
damit ich ja nicht von dem ominösen Lebensplan abkomme.

6 Comments

  1. HARRY
    15. Oktober 2007

    Vielmehr ist auch zu fragen, ob der freie Wille durch einen mittel- oder langfristigen Plan abgeschafft wird. Will man sich denn ewig an einen Gedanken halten, der einen in früheren Tagen durchs Nervennetz gebraust ist und da nicht mehr rauskam?
    Nein ich bin der Meinung der beste und einfachste Weg wirklich frei zu sein, ergibt sich aus dem Augenblick. In nahezu Jedem ergibt sich die Möglichkeit Hott oder Hü zu sagen, Ja und Nein zu meinen, Pro oder Kontra zu geben. Nur sollte der Ursprung von einem selbst kommen. Frei heraus und nicht etwas Terminiertem zu Grunde liegen.
    Kann man den Hedonisten daher als unfreien Menschen bezeichnen, nur weil er denkt, wie er fühlt, ohne zu erkennen?
    Der Nomade kann man mit Sicherheit als freien Menschen bezwichnen, da er kein Ziel und keine Erfüllung seiner Wünsche kennt.
    Dementsprechend müssten dann hedonistische Nomaden Sklaven ihrer Freiheit sein und das in urbaner Umgebung kann, ja muss der Untergang des Freigeistes sein.
    Man stelle sich einen aufgehenden Freigeist vor, der sich entschließt, um freier Denken zu können, Freigeistliches mit anderen angehenden Freigeistern studiert und vor lauter freien Geistern zum Geistfreien wird.
    Schublade auf und wieder zu.
    Es reicht auch manchmal aus, nur zu wissen, dass man existiert.

  2. pitfisch
    15. Oktober 2007

    Das sind aber ne Menge verschiedener Torten, die du hier anschneidest.

    Ich wollte ja lediglich darauf aufmerksam machen, dass alleine die Tatsache Lebenspläne zu schmieden und durchzuhalten mehr und mehr illusorisch anmutet, weil sich auch unsere althergebrachte Lebensdreiteilung langsam verabschiedet, ach nein, dazu sagt man jetzt erodiert.

    Also von wegen…
    Kindheit -> Erwachsenensein -> Seniorentum
    oder anders ausgedrückt
    Elternfamilie –> eigene Familie –> Kinder ziehen aus
    oder wiederum anders
    Ausbildung –> Erwerbstätigkeit –> Ruhestand
    … daraus wird heute nichts mehr. Dazu fand ich das Beispiel auch schön gewählt.

    Dann sofort den „freien Willen“ ins Spiel zu bringen finde ich unfair, denn er hat dort nichts zu suchen. Alleine schon weil wir auch Opfer unserer Epoche sind.

    (Wenn es strukturell unumgänglich wäre langfristige Lebenspläne zu schmieden, zum Beispiel in einer länger als 40 Jahre währenden DDR. Wenn sowieso klar ist, dass du nen einen Weg von vielen aus dem Schema F wählst. Wie kann man da von Wille sprechen. Anpassung würde es eher treffen, so sehe ich das heute auch. Jede Entscheidung bezüglich des eigenen Lebensplans ist eine Anpassung, die sich jeweils zwischen den subjektiv akzeptierten Möglichkeiten und den verschiedenartigsten Anforderungen an das Subjekt bewegt.)

    Deswegen finde ich auch die Einteilung des Freiheitsgrades von Nomaden, Hedonisten, Schafen oder Pferden kritisch.

    Achja, purer Hedonismus schließt Erkenntnis nicht aus. Es kommt ja nur drauf an, wie du dein Glück oder dein Erlebnis definierst. Wenn mir zb einer dabei abgeht, die Schriften Bruno Latours im entspannten Lesekreis zu erarbeiten, dann steckt sowohl als auch drin.

    Danke in jedem Fall für die Anregung, du siehst, obwohl es mir viel zu viel war um zu antworten ist nun das dabei herausgekommen, das schreit ja fast nach einem elektroni-Forum (kann auch anders heißen).

  3. Thadeus Protz
    17. Oktober 2007

    dazu noch n bissl was, weil’s anschei’nd grad aktuell is:

    telepolis : vom hinausgezögerten erwachsensein

    viel spaß!

  4. pitfisch
    17. Oktober 2007

    …na da weiß ja einer, worauf ich mich auch bezogen habe.
    bin halt noch nicht bei delicious und das link-posten war zu umständlich 😉

  5. Thadeus Protz
    18. Oktober 2007

    also quellenangeben is im internet echt nich die schwierigste übung.

    so isset halt, informantenschutz, ne? hätte ja auch deine idee sein können.

  6. pitfisch
    19. Oktober 2007

    Huh, wollte doch nur sehen, ob du es auch gelesen hast. delicious kommt.

    Die Idee hatte ich ja, aber ich war beim Schreiben wirklich zu faul ein paar Größer- und Kleinerzeichen zu benutzen. Na meine Güte, die waren soweit weg.
    Kam doch sowieso von dir, also hat sich mein verworfenes Ziel ja noch erfüllt und der geneigte Leser kriegt sein Futter.

    Gibt es also ein Problem?

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