stimulanzzirkel

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This article was written on 13 Dez 2006, and is filled under out of time.

Was ich lesen möchte.

Jeden Tag verliere ich mich im Internet. Informiere mich so ziemlich ausschließlich auf SPIEGEL ONLINE wie heise online über das tägliche Weltgeschehen und bin doch meinem Ziel keinen Schritt näher.

Man kann dann ein wenig umherstreifen, meinetwegen. Seine Fühler ausstrecken und sehen, was es da noch so gibt. Aber man bleibt immer in einem bereits von anderen abgesteckten Rahmen. Wie soll man auch im Internet „stöbern“ können? Kein Text sagt mir (oder besser der Maschine) womit er sich befasst. Themen finden nicht automatisch ihre Korrespondenten, Verknüpfungen müssen noch immer selbst vom Menschen hergestellt werden.

Ich gebe zu, dass die Herstellung dieser Verknüpfungen durch das technische Equivalent des links erheblich beschleunigt wurde. Doch das genügt mir nicht.
Wenn wir schon den Anspruch haben, dass die Maschinen für uns das Denken übernehmen, dann sollten wir uns nicht mit halbherzigen Lösungen zufrieden geben. Anstatt die Maschinen unser Wissen nur aufbewahren und reorganisieren zu lassen, sollten wir ihnen der Fairniss halber auch die Möglichkeit geben, es zu verstehen. Ich sehe lieber auf niedrigem Niveau arbeitendes Wissen, als starres Wissen.
Die Pure Information selber hilft noch keinem. Erst wenn sie in Interaktion mit ihrer Umwelt treten kann, entfaltet sie ihr Potential. Und was ist Leben nichts anderes, als sein Potential zu entfalten.

Dabei sehe ich überhaupt keine Probleme mit der Frage, ob uns die Maschinen in solch einem Fall den Rang ablaufen könnten. Falls es soetwas wie eine Hierarchie von Bewusstseinszuständen geben sollte, dann begnüge ich mich mit dem Gedanken, dass wir ungleich höher aufsteigen werden in dem Bemühen, selbst Bewusstsein zu erschaffen und dadurch unser eigenes besser zu verstehen. Erst, wenn die Maschinen anfangen, selbst fremdartiges Bewusstsein zu erschaffen, wird sich diese Frage wieder stellen.

Was hat dieses andere Leben uns mitzuteilen? Was können wir uns noch über uns selbst mitteilen? Wie können wir das erreichen? Eine wirkliche Wissenschaft „vom Menschen an sich“ existiert meiner Ansicht nach noch nicht; das Leben selbst kommt dem noch am ehesten am nächsten.

Es wird Zeit für eine richtige Antrophosophie, oder, um meinen Ansatz noch zu verdeutlichen, um einen richtigeren und ehrlicheren Begriff der Antrophosophie im Gegensatz zu dem, wofür Rudolf Steiner mit seinen verlachten Weisheiten gesorgt hat.

Eine Wissenschaft von der „Liebe zum Menschen“, die könnte mir gefallen. Wer fühlt sich nicht ein bisschen komisch, wenn er diese verklärten Begriffe in dieser Kombination zu lesen bekommt? Ich verlange keine Klarheit, aber ich verlange Verständnis für die stattfindenden und regulierenden Prozesse. Wer nicht im Stande ist wahrzunehmen noch zu fühlen, was ihn letztendlich zum Menschen macht, und sich nicht einmal auf den Weg dorthin begibt, versagt sich selbst die Anerkennung als Menschen. Den Respekt, den ich ihm entgegenbringe.

Mag sein, dass diese Position radikal klingt. Aber eine Position bedeutet ja nicht, dass ich mich nicht von ihr entfernen kann. Was weiß ein Zustand schon von dem Prozess, in dem er auftritt?
Vielmehr ist irgendeine Position für mich überhaupt erst der Anfang, seine Umwelt zu einer Reaktion zu bewegen, wie sie es denn gern anders hätte. Denn ohne äußere Einflüsse brauche ich mich nicht zu verändern. (Autsch. Der tut weh‘.) Entweder, ich trete also aus mir heraus, um von außen auf mich einzuwirken, oder ihr übernehmt das für mich. Letzteres ist freilich bequemer und gleichzeitig am produktivsten für alle, denn schließlich biete ich euch auch Reaktionen auf das, was ihr präsentiert.

Mehr ist es für mich leider nicht, als die Präsentation von vertretbaren Standpunkten, ohne sich wirklich auf einen festlegen zu müssen. Täte ich dies, würde aus der Präsentation sofort tatsächliches Sein. Im Prozess des sich Festlegens sehe ich aber das wirkliche Sein. Im Prozess des sich Festlegens unter Berücksichtigung einer mir fremden Position, die ich nicht einnehmen müsste, sie aber benutze, um mir die Wahl der Möglichkeiten, die ich zu berücksichtigen habe, zu erleichtern.

Mit der Zeit ist dann auch ein gemeinsames Sein möglich. Für sich isoliert für mich unvorstellbar. Ich lasse mich aber gerne aufklären. Nur Mut.

bis dahin

jon

One Comment

  1. Alex
    14. Dezember 2006

    Der Anfang ist gemacht. Uns Mut zu wünschen erscheint mir dennoch sarkastisch, liegt es doch an dir, Mut zu beweisen.

    Vieles findet sich hier, auf das ich gerne antworten würde und in einer Mail wahrscheinlich auch tun werde.

    Wenn es nicht mehr ist als das vertreten von „irgendwelchen“ Standpunkten, sogar ohne sich wirklich auf sie festzulegen, warum dann die ganze Mühe? Warum das palabern, lamentieren, sich versteifen und wieder lockerlassen zugunsten irgendwelcher Positionen, wenn es _nur_ die Präsentation ihrer selbst ist?

    Weißt du, was ich damit ausdrücken will, ich meine
    spürst du nicht die Lee(/h)re in dieser Aussage?

    Du bist doch nicht nur eine Abstellkammer für Positionen!
    Wenn es so wäre, dann wären die Standpunkte die wahren Menschen, weil sie in uns weiterleben und nicht wir. Wir wären nur Spielzeuge unserer eigenen Ansichten.

    Klingt wiedermal sehr deterministisch.

    Ein schönes Wochenende!

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