stimulanzzirkel

Information

This article was written on 23 Nov 2005, and is filled under Berlin.

Eine untypische Woche

Glück und das andere Pech oder Begebenheiten zum Schmunzeln.

Dienstag vor einer Woche.
Der Zivilehrgang in meiner Jugendherberge entpuppte sich als enstpannte, lustige Veranstaltung.
Ob das daran lag, dass die Seminarteilnehmer alle aus norddeutschen Jugendherbergen abgeordnet wurden?
Am Abend auf jeden Fall stand der berüchtigte Pubcrawl auf dem Plan.
Im Hinterkopf war noch eine Verabredung mit Paul zum Rock*it, es ließ sich verbinden, weil die Kneipentour dort enden sollte.
Paul sollte also zu mir fahren und ich kaufte mir eine neue Monatskarte, damit wir zusammen die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen konnten – angesagt waren ja die ganze Nacht über kostenlose Wodka-Shots.
Soweit kam es aber gar nicht, wir verpassten den Trott – nicht nur weil Paul hungrig war – und entschlossen uns dann eben gleich ins Matrix zu fahren, wo es ja auch drei Freigetränke gab.
Auf dem Weg die Bemerkung, dass Jesus mich nicht liebe.
Nach weiteren Getränken und langen Gesprächen über mögliche Kooperationen (:D) und Musikprojekte fuhren wir dann mit dem bekannten BMW zu mir. Doch ein ganz netter Abend.

Mittwoch vor einer Woche
Ich erwachte, ahnend, dass es später als 7:30 Uhr war. Unwissend, wie ich es auf das Hochbett geschafft habe.
Mich wundernd, wie diese Kotzeflecken überall in meinem Zimmer entstanden sein könnten, dabei hatte ich das Bad noch nicht einmal gesehen. Noras Kosmetik war voll davon. Stückchen auf dem kleinen Glastisch, mittlerweile schön trocken. Kein anderes Bild an der ehemals blauen Wand neben dem Waschbecken. Angst und Schrecken im Prenzlberg, nur der Reptilienschwanz fehlte mir.
Resi musste einen sonderbaren Morgen gehabt haben, Nora hat zum Glück auswärts geschlafen.
Halb zwölf. Seminarteilnehmer waren mir im Matrix begegnet, das wusste ich. Dass der Wasserhahn anscheinend die ganze Nacht strömte wusste ich nicht.
Gefreut hatte ich mich noch, dass ich alle Sachen aus Pauls Auto hoch in mein Zimmer raffen konnte, darunter mehrere Jacken, eine Mütze, ein Rucksack. Nur das Portemonnaie fehlte.
Angstschweiß, als ich das Zimmer durchkämmte. Dabei schwindelte mir so schon, ich fand nichts.
Eigentlich unfähig mich zu bewegen versuchte ich alsbald alle Spuren zu beseitigen, wusch alle Decken und Ähnliches, dann rief die Jugendherberge an. Dass ich krank war fühlte ich, warum nur muss sich ein Zivi am selben Tag der Erkrankung auch krankschreiben lassen?
Dann also los zum Arzt und zur Sparkasse, gleichmal eine neue Karte bestellen. Zivis haben auch einen speziellen Krankenschein, den ich in der Dienststelle kriege. Eine Rennerei, die sich bald gar nicht mehr lohnte, um mich nur für den verschlafenen Tag zu entschuldigen. Alles nur, weil ich Jesus für lieblos hielt?

Die Rahmenbedingungen waren verheerend, wobei mich die frische Fahrkarte am meisten störte, denn was sind schon Dokumente. Aber fahren, fahren heißt Leben. Für die beinahe täglichen Pendeleien zwischen Tiergarten, Prenzlberg und Köpenick ist das Fahrrad ungeeignet, obschon ich es gern auch wetterunabhängig benutze. So nahm ich die Situation an, stellte mich auf Isolation ein, erstmal.

17. November
So habe ich den Donnerstag in meinem Zimmer verbracht und dort viel geschafft. Raus aus der gesellschaftlichen Abstinenz riss mich Johannas Nachricht mit der Frage, ob ich Lust auf Patrice hätte. Lust ja, aber mir ging es wirklich nicht so gut.
Egal, wann wird man schonmal gefragt, ob man auf ein Konzert mitkommen möchte? Also rauf aufs Fahrrad und ab zu Hekticket, das natürlich genau an dem Tag „aus technischen Gründen“ geschlossen hatte. Da die Entscheidung für oder gegen eine neue Fahrkarte noch nicht endgültig gefallen war und ich mich auch schlechter fühlte ging es zurück nach Hause, sorry Johanna. Nachgeholt wird das zum Glück ja mit den Skatalites am Dienstag.

Freitag, der letzte Tag des Lehrgangs
Ich ließ es mir nicht nehmen zum Frühstück und zur Auswertung zu erscheinen, obwohl ich belächelt wurde. Was sollte ich denn machen, krankgeschrieben war ich nunmal nur zwei Tage.
Die Tageskarte brauchte ich eh, weil später noch Arbeit im Forum folgte, so konnte ich aber doch noch einmal schön herumtingeln. Zum Zoo um mir Buttons zu kaufen. Aufnäher gegen Nazis gab es nicht mehr, da scheint wohl eine ziemliche Nachfrage zu bestehen 🙂
Weiter zu Ikea, wo ich wahrscheinlich der einzige Kunde des ganzen Geschäftstages war, der nur einen Artikel mitnahm. Okay, Hotdog nicht mitgerechnet.
Nachdem ich den LACKtisch aufgebaut hatte ging es dann auch schon wieder los nach Köpenick. Susi redete in einer Besorgtheit auf mich ein, die mich überraschte, aber an die Sperrung des Videotheksausweises dachte ich vorher wirklich nicht.
Dann der Abend im Steinhaus, doch das Antrinken fand nicht bei mir, sondern in Köpenick statt. Unpassend für mich, da ich schon in Köpenick war, aber von der Arbeit stank.
Ich fuhr nach Hause und lud Mike und Schunke doch noch zu mir ein. Die beiden kamen in leicht angetrunkenem Zustand an und mussten erstmal das Hochbett mittels Trockenübungen auf die Sextauglichkeit überprüfen. Test nicht bestanden.
Im Steinhaus selbst wurde jeder nur mit Ausweis reingelassen. Meiner war weg, ich schlug vor den Türstehern die Wahrheit zu erzählen, unwichtig, ob ich dann nicht reingekommen wäre. Bevor das aber zur Diskussion stand drehte sich Tim Stahls Begleitung in der Schlange vor mir um.
„Hier, nimm doch einfach den Ausweis, ich denke du bist ja achtzehn.“ Klar, ich habe auch immer noch nen Ausweis meines Bruders dabei. Der hatte eine ganz andere Gesichtsform als ich, aber wer guckt schon auf das Foto. Drin ging es dann glücklich weiter, es war nämlich einiges los und so erhielt ich an der Garderobe bei fünf Gegebenen 19 € Wechselgeld, was natürlich konsequent versoffen wurde. Higha Figha!

Samstag letzter Woche
Gegen fünf Uhr quälte ich mich raus ins Bett, da ich spontan zum Arbeiten im Forum verurteilt wurde. Eventuell. Dabei war das doch der freie Samstag, der mir nun auch nichts nützte. Zur Musictour konnte ich nicht gehen, weil es an der begleitenden Saftfrau fehlte, und Geld hatte ich bis zur nächsten Öffnung der Sparkasse nur noch zehn Euro. Als mich um zwölf noch niemand angerufen hatte legte ich mich erneut ins Bett, schlief bis es dunkel war, was jetzt auch öfter passiert. Dann Arbeit an dem Trainingsgruppen Plakat, damit musste man ja auch anfangen. Schließlich Jörgs Geburtstag in der Bar Babel. Hätte nicht gedacht, dass ich zur Simon-Dach so gut mit dem Fahrrad komme. Die eigentliche Party im Soda musste ich sausen lassen, denn irgendwei musste ich ja mit dem Geld klarkommen, und leihen kam für mich nicht in Frage. Jörg bot mir sogar an den Eintritt auszulegen, aber ich wollte mich von niemandem abhängig machen, auch wenn es nett gemeint war.
Dafür kam Benni Bruch noch vorbei und blieb bis fünf Uhr morgens. Kopfschmerzen wegen Sauerstoffmangel, ich muss die Shisha unbedingt upgraden.

Sonntag
Keine nennenswerten Vorkommnisse. Ich blieb zu Hause, kochte abends für uns drei.

Montag
Die erste Werkstattsschicht! Aus Versehen habe ich den Discman mitgenommen. Die Vorgesetzten sah ich morgens kurz, damit sie mir den Auftrag zum Fegen der Einfahrt geben konnten. Narrenfreiheit, niemand interessierte sich für meine Arbeit, sodass ich mehr aß, Johanna hatte Küchendienst.
Seeed konnte ich in den letzten Arbeitsstunden sehr gut gebrauchen, die Sonne schien und ich schwitzte beim Fegtanzen des Laubes.
Auf dem Nachhauseweg dann Hagel. Eine Fahrkarte hatte ich immernoch nicht, auch den Gang zum Amt schob ich vor mir her. Bei Lidl kaufte ich Waffelrollen und Kekse, kochte Kaffee für meine Eltern, die sich zum Anbauen der Sideboards angekündigt hatten. Merlin kam auch mit, aber von Marcel wusste ich nichts. Wiedermal ein Knirps.
Dübel fehlten, auch die Etikettiermaschine war zu Hause, also fiel alles aus, weswegen Mutti und Papa eigentlich gekommen waren. Die Couch ist zudem wahrscheinlich ein bisschen niedrig für „ältere“ Menschen.

Diese Woche Dienstag.
Voller Elan fuhr ich zur Sparkasse, um mir diesmal mehr Geld auszahlen zu lassen. Sowas wie Samstag sollte nicht nochmal passieren, obwohl die neue Karte bestimmt bald kommt, die Pin ist ja schon da.
Dann ab zum Meldeamt, um mich über die lustigen Prozeduren zu informieren, denn am liebsten wollte ich mich in einem Abwasch Ummelden und gleichzeitig den neuen Perso beantragen. Alles kompliziert, aber es wäre gegangen. Das Ziehen einer Nummer hebte ich mir für Mittwoch auf. Ich klapperte drei Copy Shops ab, bis ich einen fand, der auch bis A2 in Farbe druckt. Ohne Zeitgefühl hinein ins Blaue kam ich pünktlich um drei Uhr zur Schicht, was mich umhaute. Dann die Email von Jenny, die mich umhaute.
Circa eine Stunde später rief dann meine Mutter an, um mir zu berichten, dass ein Paket für mich ankam.

Inhalt?
Ein Portemonnaie, ein Personalausweis, eine Sparkasssenkarte, eine Monatskarte, ein Videotheksausweis, ein Zivildienstausweis und diverse Visitenkarten und ein paar zusammengeklebte Briefmarken.
So richtig erklären kann ich mir das nicht, zumal das Paket an den Altglienicker Grund geschickt war.
Somit schloss sich auf jeden Fall diese abwechslungsreiche Woche, die doch gar nicht so isoliert war wie geplant. Und Jesus liebt mich doch 🙂

One Comment

  1. Thadeus Protz
    24. November 2005

    hmm…wird wohl nichts mit dem vollständigen verlieren von dingen für uns beide dieses jahr, oder?

Schreibe einen Kommentar

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.