Da es dem Autor nicht immer vergönnt ist, alle aufkommenden Ideen umzusetzen,
wird diese ausdrückliche Unzulänglichkeit an dieser Stelle mit einem interaktiven Spiel kaschiert.
Im Folgenden stolpern Lesende also über Titel von möglichen Artikeln.
Welche sollen Titel bleiben? Welche gedanklichen Grundpfeiler hingegen
sollen zu textuellen Gebäuden ausgeschmückt werden?
Begebt euch auf die imaginäre Reise durch Bilder und Assoziationen und
versucht eure inneren Regungen einzufangen.
…und bitte, bitte, gebt sie hier in den Kommentaren preis.
Zur Auswahl stehen:
[ ] Bruno Latour – Wir sind nie modern gewesen.
[ ] Lass den Kommentar! – über Normen und Erwartungen in virtuellen Interaktionen
[ ] Frazy Fusion – eine soziale Bewegung, die für nichts eintritt
[ ] Die Ferne der Nähe oder die Unart des Weltreisens
[ ] Vauban – der andere Stadtteil?
[ ] Hilfe, wir kommen in der Leistungsgesellschaft an
Ein weiterer Moment abseits des Gruppentrubels, ein weiterer Moment beinahe in Echtzeit Eindrücke aus der dadurch schon gar nicht mehr so weiten Ferne zu vermitteln, das Mysteriöse des Reisens kurz zu schließen, dabei ad absurdum zu führen, um neue Lebens-formen zu gestalten.
Alles. Immer. Hier. Jetzt.
Vergangenes und Zukünftiges verwoben in der ewig diffusen Aufmerksamkeit eines einzigen Augenblicks. Und doch – und vielleicht auch gerade deshalb neu – nicht widersprüchlich zu den Möglichkeiten einer Simulation des “wirklichen Reisens”, der “wahren Auslandserfahrung”.
Die Welt ist heute nun einmal so (vielfältig und voller Möglichkeiten). Punkt.
Die folgenden Geschichten orientieren sich, wie auch schon bisher, an den von mir bei flickr hochgeladenen Bildern der Kameras meiner Mitreisenden Lena & Max, eingewoben in Ausgedachtes, Erinnertes und vielleicht sogar nur Gewünschtes.
TransSib
Gehen wir nun also gemeinsam zurück und verlassen Mokau mit der Transsiberischen Eisenbahn, bei gefühlten 40ºC, mit ~2‰ Restalkohol im Blut, Schlafmangel und einem Delirium, das sich gewaschen hat.
Da ich den ersten Tag beinahe durchgängig geschlafen oder zumindest dank Kreislaufkollaps mit kaltem Schweiß dämmernd verbracht habe, kann ich leider keine detaillierte Beschreibung der Kontaktaufnahme mit unseren russichen Soldatenfreunden der Spezialeinheit “Speznas”, die nach einer Zigarette Niks plötzlich in unserem Abteil saßen und mitunter ein besonderes Auge auf unsere Mitreisende Lena geworfen hatten, liefern. Womöglich erfolgt eine detailliertere Rekonstruktion der Ereignisse zu geeigneter Stunde an dieser Stelle.
Volltändig genesen und mit einem Bärenhunger erwachend, sahen wir uns nun dem Umstand der Warnung Valentins vor einer TransSib-Reise gegenüber:
“Pass auf Jon, dass du nicht vor Langeweile stribst!”
So schlimm ist es ja dann, wie ihr erfreulicherweise lesen könnt, doch nicht gekommen – obwohl einem der russische Wald einiges an Geduld abverlangt. Nischni Nowgorod, Jekaterinburg und Omsk, um nur einige der größeren Pausen des Zuges zu nennen – und weit und breit keine Pelmini bei den Babuschkas auf dem Bahnhof!
Wir also weiter durch die Einöde, den Rauchschwaden der Torffeuer entkommend und einer Ahnung von frischer Luft entgegen.
Endlose Wälder, am Morgen der Einfahrt in Novosibirsk auch endlich sibirische Taiga vor Augen; verlassene Industriebrachen und Holzhaussiedlungen, deren I-Tüpfelchen stets blau gestrichene Fensterrahmen waren, zierten den Fluss der Zeit.
Akademgorodok!
Dank der Vermittlung meines ehemaligen Mitbewohners Maxim, der jetzt mit Kind und Kegel in Berlin lebt, hatten wir Kontakt zu einem politischen Aktivisten in Novosibirsk. Beide kennen sich noch aus früheren Tagen in der CAT Group (Contemporary Art Terrorism) und sind u.a. Begründer der MONSTRATION, einer dadaistischen 1.-Mai-Demonstrationsimitation, welche mittlerweile wohl u.a. nach St. Petersburg, Moskau, Peking und einigen weiteren Städten ausgestrahlt hat.
Artem holte uns also nach vorausgegangenem E-Mail- und SMS-Verkehr tatächlich am Bahnhof ab und brachte uns sogleich zu Tanja und Misha nach Akademgorodok (sprich: Akademgaradok), welche in einer von deren Eltern geschenkt bekommenen Wohnung einer wiederum anderen Freundin, die wohl gerade für zwei Monate im Tian Shan Gebirge klettern ist, untergebracht waren und selbst eigentlich in Tel Aviv / Israel leben.
Wer sich nun also durch die hinter den Links verborgene Informationsfülle geklickt hat, möge erkennen in welchen absurden Umständen wir in Novosibirsk eingefallen sind. Und da wir uns somit schon in der Gegend, in Sibirien aufhielten, war es für unsere Gastgeber auch kein Problem, Kontakte nach Irkutsk zu vermitteln. Was es mit diesen auf sich hatte, sollt ihr später erfahren.
Jetzt bereiten wir uns langsam auf unsere Abfahrt gen Ulan Ude vor, um pünktlich am 19. die Grenze zur Mongolei zu passieren und in Ulaan Baatar drei Tage vor Beginn des zweiten Teils der Reise, unserer eigentlichen Expedition, anzukommen. Um Abstand zu gewinnen zum unglaublichen Koloss der Russischen Föderation, Eindrücke verarbeitend, Bilder sacken lassend und fortzufahren mit der Ruhe und Gelassenheit eines sich treiben lassens.
Nun zögert nicht euch durch die Alben zu klicken und auch die anderen Fotos zu entdecken, manchmal beschrieben, manchmal selbst für sich sprechend.
Kommentare hier auf elektroni.de, und nicht bei den übertragenen Facebook-Notizen, sind übrigens auch immer gern gesehen, da sie die Motivation steigern mehr zu schreiben.
In diesem Sinne und mit den besten Grüßen von der zur Nacht hin rapide kälter werdenden sibirischen Luft in Irkutsk,
…war mein Motto des Tages, dabei bin ich jetzt gar nicht dabei und sitze vor diesem Screen, mir die Augen verblenden lassen. Aber alles in Ruhe der Reihe nach.
Aufgewacht, den Blick nach draußen gewendet und mit einer grauen Wand konfrontiert gewesen. Was wird aus einem Tag, der so beginnt?
Plötzlich überschlugen sich die Informationen: Wir bezahlten die nächste Nacht, zogen in ein anderes Zimmer, zahlten um möglichen Komplikationen mit der Polizei oder Grenzbeamten vorzubeugen am dritten Tag die vorgeschriebene Registrierung in Russland und holten Informationen zum Verlauf der Feuer ein, da die dichte Wand vor den Fenstern schon Fragen aufkommen ließ. Und – endlich – nachdem wir gestern nur völlig veraltete Satellitenbilder der ESA vom letzten Monat und andere hingefrickelte zu den Feuern gefunden hatten, zeigt man uns eine russische Seite, die über äußerst aktuelle Informationen verfügt.
So also der Stand am Mittag gegen 12 Uhr, Quelle pozhar.yandex.ru:
Entlang der skizzierten Route der Eisenbahn finden sich nur vereinzelt Feuerlogos. Aber wir sehen keinen Grund zur Sorge, da keine Nachrichten über Böschungsbrände oder ausgesetzte Züge bekannt geworden sind. Nicht einmal Flüge wurden gecancelt, höchstens auf andere Flughäfen verlegt. Und schließlich hat man uns erst gestern noch Tickets für die TransSib verkauft.
Dass die Situation trotzdem etwas bedrohliches hatte, nicht nur von der Karte aus gesehen, zeigte sich auch beim Vorbereiten dieses Artikels, als uns Google die Übersetzung für ein Transparent, das über die Straße vor unserem Hostel gespannt war, präsentierte:
ЖАРА. СМОГ. ОТПУСК. HEAT. SMOG. LEAVE.
Da uns die Übersetzung aber auch, wenn das letzte Wort ohne Punkt eingegeben wurde, vacation vorschlug, machten wir uns, nach stundenlangem Verharren im Hostel, doch noch einmal auf den Weg in die Innenstadt, um endlich unser Touriprogramm abzufahren.
Kreml!
In der grünen Lunge Moskaus angekommen, einem grünen Park beim Kreml, bei offensichtlich geringerer Schadstoffbelastung als im Rest der Stadt, gönnte sich die Reisegruppe erst einmal ein Lungenupdate. Wie schön das sein kann!
Weiter ließen wir uns um den Kreml herumtreiben, flossen den Besucherströmen hinterher und beobachteten die ein oder andere Hochzeit, die sich ihren sozialen Status vor Ort in Fotos zementieren ließen. Vorbei am Mausoleum Lenins, eingehüllt in die bekannte Rauchwolke, fanden wir auf dem Roten Platz irgendwo tatsächlich auch die Sonne.
Nach unserem touristischen Intermezzo begingen wir also noch einmal die nähere Nachbarschaft des Arbatviertels. Straßenhändler, Musiker und allerlei Gesocks sammelten sich in der Fußgängerpassage, welche uns zum Biertrinken in einer Seitenstraße führte.
Aus dem Restaurant nebenan dringt eine lokale Live-Interpretation bekannter kubanischer Rhythmen, vereinzelte Seelen fragen uns über die Brüstung des überdachten Biergartens nach irgendwas und neben dem Luxushotel der Gegend, zwischen der Spanischen und auch Mongolischen Botschaft, flanieren Jungmännergruppen und wünschen sich, dass es bereits Nacht ist.
Was bleibt von diesem Tag, außer der Kater am nächsten Morgen, nachdem ich für nur ein Getränk kurz in die Küche der feiernden Russen geganen war?
Einmal mehr die Bestätigung, dass Russland voller starker Kontraste und mitunter unüberwindbarer Gegensätze ist.
So legten wir uns denn mit folgender Karte im Sinn vor der ersten Zugfahrt nieder und hofften für unsere Strecke nur das Beste. Eine weitere Momentaufnahme 10 Stunden nach der letzten Karte.
Eben noch um sich die Zeit, die Nervosität und die Langeweile zu vertreiben – jedoch das Band zur Heimat nur langsam auflösen zu lassen – mir der “Zeit” beschäftigt, schon steigt man aus in die Surrealität einer völlig fremden Welt. Eben noch mit der dich ständig umgebenden scheinbar wirklich zur Realität gewordenen Realität umgeben, plötzlich [...]
Kaum laufen wir durch die Straßen der Stadt, sind noch nicht einmal im Hostel angekommen, dröhnt aus einem unverschämt großen Motorrad die Melodie Dschingis-Khans. Sind wir nicht auf dem Weg in die Mongolei? Erst einmal bereiten sich uns andere Sorgen, wie die aktuelle Medienberichterstattung vielleicht erwarten lässt: Die Stadt ist in Rauch gehüllt. Nicht wirklich [...]
SV Babelsberg 03 – FC Bayern München II 1:0 (1:0) So eine neue Saison in einer neuen Liga ist schon aufregend. Vorallem, weil wir in dieser recht jungen dritten Liga das erste Mal gastieren durften. Und das dies von längerer Dauer sein soll, dass ist auch am Ergebnis ablesbar. Dazu aber später mehr. Wunderbarstes Fussballwetter [...]